Kopf des Tages: Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky

31. Jänner 2007, 09:47
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Schweinsbraten statt Schweinehund

Sie ist eine, die mit vielem rechnet. Eine, die in ihrem Lebenslauf das Rüstzeug für höhere Weihen mitbringt. Eine, die sich fast alles zutraut und sich darauf bestens vorbereitet hat.

Dass sie ihr Ernährungsverhalten einmal öffentlich rechtfertigen muss, kam für Andrea Kdolsky dann aber doch überraschend. Heute, fünf Tage nach ihrer Angelobung als Ministerin für Gesundheit, Jugend und Familie, muss sie Sätze sagen, wie: "Ich bin überhaupt kein Schweinsbratenfreak!" Kdolskys Bekenntnis, dass sie hie und da ein saftiges Schwarterl nicht verachtet, gelegentlich raucht und den von Vorgängerin Maria Rauch-Kallat ausgegebenen Kampf gegen den "inneren Schweinehund" noch lange nicht gewonnen hat, verliehen ihr ein ungesundes Image - und das kommt nicht gut.

Auf die Ausgewogenheit komme es an, findet Kdolsky. Ein Motto, an das sich die 43-jährige Multitaskerin schon öfters im Leben gehalten hat: Über den Umweg eines abgebrochenen Jus- und Wirtschaftsstudiums "in der Findungsphase eines jungen Menschen" landete sie schließlich als Anästhesistin am Wiener AKH. Mit einem Lehrgang für Krankenhausmanagement in der Tasche hatte die Medizinerin zuletzt die Leitung von fast 14.000 Mitarbeitern an der Spitze der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding über.

Zuvor standen noch zwei andere gewichtige Positionen auf dem Karriereplan: jene der stellvertretenden Geschäftsführerin des Bundesinstituts für internationalen Bildungs- und Technologietransfer. Und der Vorsitz in der Hochschullehrergewerkschaft - ein Job, bei dem Kdolsky auch ihren zweiten Mann, den Unfallmediziner und jetzigen Gewerkschaftsvorsitzenden, Richard Kdolsky, kennen lernte.

Kdolsky selbst beschreibt sich als "von ganzem Herzen christlich sozial und bürgerlich". Schon in Studentenzeiten hat sie sich bei der VP-nahen Medizinerunion engagiert. Der Parteieintritt erfolgte "in den frühen" 80er-Jahren, motiviert durch die "bunten Vögel" rund um Erhard Busek und Jörg Mauthe.

Dass sie vom schwarzen Kurs "Hände falten, Gosch'n halten" wenig hält, hat die Neo-Ministerin bereits unter Beweis gestellt: Als Chefin der Hochschulgewerkschaft rief Kdolsky 2002 zum Warnstreik gegen die Uni-Reform auf. Doch Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer war ihr nicht lange gram: Sie setzte Kdolsky ins Kuratorium der Elite-Uni in Gugging.

Auch jetzt, als der Ruf der Partei sie mit der Stimme Wilhelm Molterers am Telefon ereilte, sagte Kdolsky sofort zu. Sie "wollte immer etwas bewegen". Neuerdings auch sich selbst - auf dem Hometrainer. (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2007)

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    Andrea Kdolsky (43) machte der ÖVP nicht nur Freude.

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