Regierung wegen Unterstützung von Folter verklagt

21. Jänner 2007, 16:33
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Frau war in 50ern Opfer des CIA-Wahrheitsdrogen-Programms

Montreal - Kanada droht eine millionenschwere Sammelklage wegen der angeblichen Unterstützung eines CIA-Forschungsprogramms zur Bewusstseinskontrolle während des Kalten Kriegs. Die Kanadierin Janine Huard beantragte vor einem Bundesgericht in Montreal die Zulassung einer Klage gegen die kanadische Regierung, wie ihr Anwalt Alan Stein am Freitag sagte.

Huard wirft dem kanadischen Staat Komplizenschaft bei den Versuchen des US-Geheimdienstes vor, eine Wahrheitsdroge zu entwickeln. Die Regierung in Ottawa hatte die von dem Wissenschaftler Ewen Cameron am Allan Memorial Institute der McGills University in Montreal geleiteten Experimente in den Jahren 1950 bis 1965 teilweise mitfinanziert, wie Stein sagte.

Elektroschocks

Huard, der in den 50er Jahren gegen ihren Willen "experimentelle Drogen und Elektroschocks" verabreicht wurden, bezeichnete die Versuche als "Folter". Außerdem sei sie Elektrokrampftherapien, Psychotests und Psychodrogen wie LSD ausgesetzt worden. In einem stockdunklen Raum wurde ihr nach eigenen Angaben eine Woche lang bis zu sieben Stunden täglich ein Tonband vorgespielt: Die Tonbandstimme habe ihr vorgeworfen, eine schlechte Mutter zu sein, die ihre Kinder vernachlässige, sagte sie Medien. Huard musste die Versuche nach einer Krankenhauseinweisung wegen Wochenbettdepressionen über sich ergehen lassen. Nach den Versuchen sei sie zehn Jahre lang nicht mehr in der Lage gewesen, selbst für ihre Kinder zu sorgen und habe die Hilfe ihre Mutter benötigt.

Nach Untersuchungen des US-Kongresses waren insgesamt 30 Universitäten und Institutionen an dem so genannten MK-Ultra-Projekt der CIA beteiligt. MK ist eine Ableitung von Mind Control (Bewusstseinskontrolle). Das Programm lieferte demnach jedoch kaum verwertbare wissenschaftliche Daten. Es wurde erst in den 70er Jahren bekannt. Der gebürtige Schotte Cameron war einer der Pioniere auf dem Feld der "Gehirnwäsche" und wurde in den 50er Jahren von der CIA angeworben.

Die kanadische Regierung wies in der Vergangenheit eine Verantwortung in der Angelegenheit zurück, bot etwa 70 Test-Opfern Anfang der 90er Jahre jedoch nach offizieller Version aus Anteilnahme an ihrem Schicksal je 100.000 Dollar (77.500 Euro) Entschädigung. Weiteren rund 250 Testpersonen wurde wegen zu geringer Verletzungen eine Entschädigung versagt. Huard erhielt aus Mitteln der CIA 66.000 Dollar, von Kanada jedoch nichts, wie ihr Anwalt sagte. Im Jahr 2004 verurteilte ein kanadisches Gericht die Regierung in Ottawa zur Entschädigung eines der 250 Opfer, die kein Geld erhalten sollten. Huard habe damals den Entschluss zu ihrer Klage gefasst, wie der Anwalt weiter sagte. Regierungsanwälte argumentieren, ihre Klage komme zu spät. (APA)

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