Klagen in den USA behindern Erforschung von Umweltgiften

19. Jänner 2007, 14:05
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US-Forscher fordern verstärkten Schutz vor juristischen Auseinandersetzungen

New York - Die Sorge vor juristischen Querelen behindert nach Ansicht von US-Wissenschaftern zunehmend die Erforschung von Umweltgiften und deren Folgen für die Gesundheit. Dies könne die Suche nach Stoffen stark beeinträchtigen, die zu Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder amyotropher Lateralsklerose (ALS) beitragen, schrieben die Experten um den Parkinson-Forscher Brad Racette in der Zeitschrift "Neurology".

Als Beispiel nannten die Autoren den Psychiater und Kinderarzt Herbert Needleman aus Pittsburgh, der als erster Forscher die schädlichen Auswirkungen von Blei auf die Intelligenzentwicklung von Kindern beschrieb. Damals griff die Bleiindustrie ihn scharf an und warf ihm wissenschaftlichen Betrug vor, seine Arbeit wurde von einem US-Ausschuss und von der Universität Pittsburgh unter die Lupe genommen.

Mächtige Industrie

"Herb Needleman musste große persönliche und finanzielle Mühsal ertragen, darunter die Aussicht auf einen Verlust seines Berufs und 85.000 Dollar persönliche Rechtskosten", schrieb Racette. Dies sei nur geschehen, weil er es gewagt habe, "eine von einer mächtigen Industrie hergestellte Substanz zu überprüfen, die für Menschen schädlich sein könnte". Die Resultate Needlemans wurden später bestätigt und führten schließlich unter anderem zur Entfernung von Blei aus Farben oder Benzin.

Ähnliche Erfahrungen sammelte Racette nach eigenen Angaben selbst, als er einen Zusammenhang zwischen Schweißarbeiten und dem Parkinsonrisiko herstellte. Daraufhin wurde er in die Kontroverse um die Berechtigung von Entschädigungsklagen hineingezogen. Solche Probleme verlangsamt den Autoren zufolge die Forschungstätigkeit und veranlasst Wissenschafter dazu, potenziell konfliktträchtige Themen ganz zu meiden.

Forscher fordern besseren Schutz

Außerdem werde bei den juristischen Auseinandersetzungen regelmäßig von ihnen gefordert, ihre Forschungsdaten offen zu legen. Die Wissenschafter fordern daher einen besseren Schutz ihrer Tätigkeit, auch damit die Teilnehmer von Studien nicht persönlich identifiziert werden können. (APA/AP)

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