Tönende Nachlese zum Feierjahr: "Figaro" an der Staatsoper

7. Jänner 2007, 19:52
4 Postings

Mozarts Da-Ponte-Oper in der 230. Aufführung der Ponnelle-Inszenierung

Wien - Besonders alt musste das neue Jahr nicht werden, um an die gerade erst getätigten Mozart-Feierlichkeiten anschließen zu lassen - immerhin steht ja auch noch im Jänner ein 251. Geburtstag ins Haus, den die Wiener Staatsoper mit sich beinahe über den gesamten Monat erstreckenden sogenannten Wiener Mozart-Tagen begeht.

Den Auftakt für die heuer im Zentrum stehenden Da-Ponte-Opern machte Le nozze di Figaro in der ehemals guten alten Ponnelle-Inszenierung, die sich inzwischen - am Freitag zählte man die 230. Aufführung - schon etwas behäbig ausnimmt.

Wie um diesen Umstand zu kompensieren, setzte Philippe Jordan auf zügige Tempi und verbreitete mit dem aufmerksamen Staatsopern-Orchester akkurat gesetzten, zuweilen etwas sterilen Glanz. Ansonsten erwies er sich jedoch als absolut verlässlicher Routinier mit der Fähigkeit, den Sängern Sicherheit und Freiheit zwischen Geführt- und Begleitet-Werden zu vermitteln, was bis auf eine rhythmisch abenteuerliche Rachearie Bartolos (Ain Anger) dankbar angenommen wurde.

Etwa von der begnadeten Krassimira Stoyanova, der als Gräfin nur noch die letzte Sicherheit, um eine ihren Fähigkeiten völlig entsprechende große Gestalterin zu werden, fehlt - eine Frage des Selbstbewusstseins, nicht des Könnens. Demgegenüber wirkte der herrliche Simon Keenlyside als nobler Graf in seiner selbstherrlichen Souveränität etwas unterkühlt, verstand es allerdings wie kaum ein anderer, noch dem leichtesten Parlando Tief- und Doppelsinn zu geben.

So hintergründig konnte jedoch selbst er nicht agieren, dass der Grund für die gräfliche Geilheit so recht einleuchten mochte. Denn die als Susanna debütierende Laura Tatulescu zeigte trotz kultivierter, klarer (und anfangs kaum hörbarer) Stimme und ausgiebigen Springinkerlns viel zu wenig (Bühnen-)Präsenz. Überforderung in geringerem Ausmaß war auch bei Wolfgang Bankl nicht zu überhören, wenn er sich im Piano etwas schwer tat.

Markiges Timbre

So deckte der - nicht nur im Verein mit der komischen Daniela Denschlag als Marcellina - tolle Komödiant mit markigem Timbre hier eher die Rolle als den musikalischen Part des Figaro. Mit der Verbindung, ja Verschmelzung von darstellerischem und gesanglichem Können stellte aber - ähnlich wie Christine Schäfer im Sommer in Salzburg - auch hier der Cherubino manches in den Schatten: Die einmalig authentische Elína Garanca war als Page des Grafen heimlicher Pol des Ganzen. (Daniel Ender / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2007)

Share if you care.