"Es wird schon noch etwas dauern"

12. Jänner 2007, 16:56
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Anton Zeilinger prophezeit im STANDARD-Interview, wann mit dem Quantencomputer zu rechnen sein wird

Wie das Prinzip des Quantencomputers das Rechnen revolutioniert, erklärt Anton Zeilinger im Gespräch mit Klaus Taschwer und prophezeit, wann mit damit praktisch zu rechnen sein wird.


Standard: Was bedeuten Ihre neuen Erkenntnisse auf dem Weg zum Quantencomputer?
Zeilinger: Das ist ein ganz wichtiger Schritt vorwärts, der auch mich selbst sehr überrascht hat. Denn mit dem neuen Experiment ist es uns - vereinfacht ausgedrückt - gelungen, den Zufall auszuschalten, der bisher eines der Haupthindernisse des Rechnens mit Quanten war.

Standard: Was ist eigentlich das Revolutionäre daran?
Zeilinger: Grundsätzlich setzt ein Quantencomputer ein völlig neues Prinzip voraus. Es gibt da nicht mehr die Abfolge Input, Berechnung der Maschine und Output. Denn der Quantenzustand, mit dem der Quantencomputer beginnt, enthält gleichsam alle möglichen Rechenresultate. Das ändert unsere Vorstellungen fundamental, was Rechnen bedeutet.

Standard: Und der praktische Nutzen?
Zeilinger: Computerchips sind in den letzten Jahren immer schneller und kleiner geworden. In rund zwanzig bis dreißig Jahren wird man da an eine Grenze stoßen - außer eben man arbeitet mit Licht wie beim Quantencomputer. Außerdem sind Quantencomputer viel schneller, weil sie mit einer Vielzahl von Eingabedaten gleichzeitig rechnen können.

Standard: Bei der Entwicklung von solchen Wunderdingen ist die internationale Konkurrenz groß, nehme ich an.
Zeilinger: Es gibt natürlich einen starken Wettbewerb. Welche Ansätze sich durchsetzen werden und wer gewinnen wird, ist völlig offen. Was uns - und vor allem - unseren Forschungspolitikern zu denken geben sollte, ist die fast schon beängstigende Konkurrenz aus Indien und China, wo unglaubliche Ressourcen in diese Forschungen gesteckt werden.

Standard: Sie meinten kürzlich im britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist, dass der Quantencomputer die wichtigste technische Entwicklung der nächsten fünfzig Jahre sein wird. Wagen Sie zu prophezeien, wann in den nächsten fünfzig Jahren ein funktionstüchtiges Gerät am Markt sein wird?
Zeilinger: Es wird schon noch etwas dauern. Ich werde es wohl nicht mehr erleben, aber ziemlich sicher meine Enkel. Und wahrscheinlich werden dann alle Computer Quantencomputer sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.1. 2007)

  •  Anton Zeilinger ist Vorstand des Instituts für Experimentalphysik an der Universität Wien und außerdem seit 2006 Dekan der Fakultät für Physik. Seine Teleportationsexperimente haben dem heute 61-Jährigen weltweite Beachtung eingetragen.

    Anton Zeilinger ist Vorstand des Instituts für Experimentalphysik an der Universität Wien und außerdem seit 2006 Dekan der Fakultät für Physik. Seine Teleportationsexperimente haben dem heute 61-Jährigen weltweite Beachtung eingetragen.

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