"Einfach irgendwas, meine Frau tauscht es eh um"

15. Jänner 2007, 20:10
1 Posting

Die Hälfte der Österreicher weiß mit den Geschenken nichts anzufangen – der Handel ist kulant

Wien – Vom Schnee der vergangenen Nacht ist nichts übrig geblieben. Die Wiener stapfen durch tiefe Wasserlacken, und die Autos haben die Herrschaft über die innere Mariahilfer Straße zurückgeholt.

"Die Gegend hier hat ein wenig abgewirtschaftet", seufzt Frau Susanne. Sie ist Verkäuferin eines Dessous-Geschäfts, schlichtet feine Wäsche, die ein Kunde gerade umgetauscht hat und erzählt von den Fehlgriffen der Herren. "Viele schätzen die Größen ihrer Damen zu klein ein, als wären sie Mannequins." Einen Ansturm auf den Handel, um unpassende Geschenke umzutauschen, hat sie bisher noch nicht beobachtet. Der Grund dafür seien wohl die vielen Gutscheine, die heuer unterm Baum lagen.

Gutscheine statt Geld

Gutscheine ersetzen seit Tagen auch bei Frau Monika, Leiterin eines Delka-Shops, das Bargeld für den Schuhkauf. Vor Weihnachten habe sie oft gehört: "Geben Sie mir einfach irgendwelche Hauspatschen. Meine Frau tauscht sie eh um." Bei Frau Elfi vom Erotikartikel-Händler Beate Uhse könne mit dem Spruch keiner kommen, sagt sie während sie den Überwachungsmonitor im Auge behält. Intensive Beratung sei eben alles und Weihnachten die stärkste Zeit im Jahr. Umgetauscht werde bei ihr so gut wie gar nichts. Regeres Treiben gibt es da schon in Buchfilialen. Normalerweise geht ohne Rechnung nichts, sagt Herr Stanislav von Thalia. Nach Weihnachten sei man kulanter, "wir müssen dabei aber unglaublich aufpassen". Denn immer wieder versuche wer zu tricksen: Kunden karrten Bücher heran, die anderswo gekauft wurden.

Griff zum falschen Geschenk

Der Griff zum falschen Geschenk droht selbst im Waffengeschäft. "Manche irren sich beim Kaliber für die Jagdgewehre", erzählt Herr Michael vom Branchenspezialisten Joh. Springer. Gewehre seien heuer jedoch generell nicht so der große Renner gewesen. Häufiger fand sich da schon Kosmetik unterm Baum. „"ie Leute schauen auf den Preis nicht auf den Geschmack", bedauert Frau Goranovic von der Drogeriekette Müller. Kollegin Uli von Marionnaud schüttelt resigniert den Kopf. So unüberlegt wie dieses Jahr sei noch nie geschenkt worden, meint sie. "Aber Hauptsache es gibt genug Packerln."

Herr Herbert, Verkäufer bei Niedermeyer, sieht das nüchtern. "Die Leut bekommen billigere Elektronikgeräte als erhofft, legen was drauf und tauschen sie gegen bessere um." Dank vieler Gutscheine vorab halte sich das aber in Grenzen.

Eine Marketagent-Umfrage von Ebay erhob: 53 Prozent der Österreicher wissen mit ihren Präsenten nichts anzufangen. 31 Prozent tauschen sie um. Mehr als ein Drittel der unbrauchbaren Geschenke ist über 100 Euro wert. Roman Seeliger, stellvertretender Geschäftsführer der Bundessparte Handel, schätzt, dass fünf bis zehn Prozent der Textilien, Tonträger, Bücher und Kosmetik eine zweite Chance erhalten. Ein gesetzliches Umtauschrecht für die mangelfreie Ware gebe es aber nicht.

Web hilft beim Verkauf

Ebay geht davon aus, dass 35 Prozent der unglücklich Beschenkten die Gaben online zu Geld machen. Franz Karner, Chef des Web-Auktionshauses OneTwoSold, meldet 30 Prozent mehr Umsatz. 142.000 Artikel würden aktuell feilgeboten. Bei Luxusgütern sei der Umtausch hingegen eher die Ausnahme, sagt Michael Pircher vom Traditionshaus Rasper am Wiener Graben. "Die Leute schauen hier nicht aufs Geld, es muss gefallen." Rasper verkaufe Weingläser zu 59 Euro das Stück. "Kein Kunde zuckt dabei zusammen." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ungeliebte Geschenke sorgen dieser Tage für reges Treiben in den Einkaufsstraßen. Der Handel ist zum Umtausch nicht gesetzlich verpflichtet, aber kooperativ.

Share if you care.