"Microsofts Antiviren-Lösung ist ganz schwach"

8. April 2008, 16:01
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Natalya Kaspersky, CEO des Antiviren- Spezialisten im Interview über die eigene Strategie und Microsofts Konkurrenzprodukt

Der Antivirenhersteller Kaspersky Lab zählt zu den Aushängeschildern Russlands auf dem internationalen Markt. Einen Gutteil seiner Popularität hat das Unternehmen neben seinen anerkannten Lösungen im Security-Bereich auch dem charismatischen Gründer- und Führungsgespann, dem früheren Ehepaar Natalya und Eugene Kaspersky, zu verdanken. Während Eugene Kaspersky in seiner Funktion als Head of Research die neuesten Entwicklungen im Malware-Bereich im Auge behält, leitet Natalya Kaspersky als CEO seit Jahren erfolgreich die wirtschaftlichen Geschicke des Unternehmens. Im Interview gewährt die Unternehmerin Einblick in die strategischen Pläne von Kaspersky für 2007 und erklärt, warum die Marktherrschaft von Microsoft bei Sicherheitslösungen kein Thema sein kann.

Frage: Russland und seine politische Führung waren in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt negativen Schlagzeilen ausgesetzt. Ist dies für Sie als russisches Unternehmen angesichts Ihrer weltweiten Geschäftstätigkeiten ein Problem?

Kaspersky: Das würde ich verneinen, da wir mit unseren Business-Partnern nur geschäftliche Dinge besprechen. Natürlich versuchen wir unseren Teil dazu beizutragen, um Brücken zwischen unserem und anderen Ländern zu bauen. Diese politischen Fragen können wir als Unternehmen aber nicht lösen, zumal viel zu viele Emotionen mit im Spiel sind.

Frage: Wie verhält es sich hinsichtlich der politischen Vergangenheit mit den USA? Hat es ein russisches Unternehmen dort besonders schwer?

Kaspersky: Natürlich ist es dort schwieriger für uns als in Deutschland oder Österreich. Andererseits unterhalten wir ja keine Geschäftsbeziehungen mit dem Pentagon, sondern in erster Linie mit Mittel- und Kleinunternehmen. Und diesen geht es um eine gute Lösung gegen Schädlinge und Sicherheitsbedrohungen. Woher eine Firma kommt, spielt kaum eine Rolle.

Frage: Wie sieht ihre globale Strategie für die kommenden Jahre aus?

Kaspersky: Derzeit lukrieren wir 25 Prozent unseres Geschäftes über OEM-Partner, rund 30 Prozent über private Endanwender und 45 Prozent über den KMU-Bereich. Im OEM-Bereich, der zwar wenig Markenbewusstsein in der Öffentlichkeit schafft, aber dafür sehr lukrativ ist, werden wir in Zukunft sicherlich nicht mehr so stark wachsen können, da unsere Marktposition bereits jetzt sehr gut ist. Unser Hauptfokus für 2007 liegt neben den privaten Endanwendern daher sicherlich im KMU-Bereich, wo wir mit neuen Produkten und Services weiter zulegen wollen.

Frage: Hat der Markteintritt von Microsoft mit seiner eigenen Antivirenlösung Onecare bisher Auswirkungen auf Ihr Geschäft gezeigt?

Kaspersky: Um ehrlich zu sein, überhaupt keine. Was Microsoft und das Thema Sicherheit betrifft, müssen wir zwei Dinge trennen. Zum einen hat Microsoft bei Vista und anderen Windows-Applikationen verstärkt in die Sicherheit investiert und auch einige interessante Technologien implementiert, die Verbesserungen bringen. Die eigene Antiviren-Lösung hingegen ist derzeit aber noch ganz schwach. Da müssen sie noch sehr viel daran arbeiten.

Frage: Die Gefahr, dass Microsoft durch seine Vormachtstellung dem Markt seine Lösung aufzwingen will, sehen Sie also nicht als gegeben?

Kaspersky: Natürlich könnte Microsoft versuchen, die eigene Lösung über XP oder Vista prominent vorzuschlagen und so verstärkt an die Kunden bringen. Ein Markt mit nur einer oder ganz wenigen Lösungen kann angesichts der enormen kriminellen Bedrohungen aus dem Internet aber kein Ziel sein. Das wäre viel zu gefährlich und kann und darf nicht passieren.

Frage: Welche mittelfristigen Ziele verfolgen Sie bezüglich Ihrer Marktposition?

Kaspersky: Im KMU-Bereich wollen wir unter den drei größten Unternehmen sein und was den OEM-Bereich betrifft, ist Platz eins ein ganz realistisches Ziel.

Frage: Gibt es Pläne, auch in gänzlich neue Regionen abseits Europa und der USA vorzudringen?

Kaspersky: Asien - und hier vor allem Japan und China - ist unser nächstes großes Ziel. Das ist ein ganz interessanter und wichtiger Markt, nicht zuletzt aufgrund der vielen Menschen. Gleichzeitig ist es aber auch ein enorm schwieriger Markt. Die Preisgestaltung ist sehr unübersichtlich und folgt einem anderen Prinzip als in Europa oder den USA. Der angesetzte Preis für Produkte und Leistungen ist in China exorbitant hoch, da Rabatte von 90 bis 95 Prozent an der Tagesordnung sind. Das macht die interne Planung aber sehr schwierig. Ohne persönliche Verbindungen hat man zudem keine Chance auf Geschäfte.

Frage: Seit Jahren werden ja immer wieder Spekulationen rund um einen Börsengang von Kaspersky laut. Wie lautet der letzte Stand der Dinge?

Kaspersky: Wir haben in diesem Jahr kein einziges Mal konkret davon gesprochen. Ich würde sagen, das hängt vom Markt ab. Die Situation derzeit ist schwierig einzuschätzen, da niemand weiß, was als nächstes passieren wird. Der Marktauftritt von Microsoft hat sicher viele Investoren verunsichert. Auch Symantec und McAfee haben im vergangenen Jahr mit ihren Kursen zu kämpfen gehabt. Für eine neue Firma kann diese Stimmung ein Problem sein. Wir setzen daher unsere kleinen Schritte ohne konkrete Planung fort. Wenn wir damit fertig sind und die Situation auf dem Markt gut ist, dann werden wir weitersehen. (pte)

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