Hälfte der Wiener Hinweisschilder wird weiblich

3. Jänner 2007, 12:04
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"Gender Mainstreaming"- Kampagne der Stadt Wien: Geschlechterwechsel bei Piktogrammen von Wiener Linien und im Rathaus - mit Ansichtssache

Wien - Bei den städtischen Hinweisschildern in Wien vollzieht sich demnächst ein Geschlechterwechsel: So werden in Zukunft fliehende Frauen auf Fluchtwegschildern und Männer mit Kleinkindern auf Piktogrammen in der Straßenbahn und an Wickelstuben zu sehen sein. Diese und weitere Umstellungen werden von einer Kampagne begleitet, in der die Stadt für ihr "Gender Mainstreaming" wirbt.

Hierbei gehe es darum, die unterschiedlichen Lebenssituation von Männern und Frauen bewusst zu machen und für Chancengerechtigkeit zu sorgen, so Frauenstadträtin Sonja Wehsely (S) am Donnerstag. Dabei sage die Zeichensprache sehr viel über Rollenbilder aus und sei leicht zu verändern.

Aus diesem Grunde werden im Bereich der Wiener Verwaltung die Hinweisschilder für Wickelstuben zur Hälfte durch wickelnde Männer ersetzt. Bei den EU-genormten grün-weißen Fluchtweg-Schildern, die einen laufenden Mann zeigen, werden durch Piktogramme ergänzt, die eine fliehende Figur mit wehenden Haaren, Rock und Damenstiefeln zeigen. In den Wiener Linien werden bestimmte Sitzplätze "symbolisch" nicht nur für alte oder blinde Männer, sondern auch für ebensolche Frauen reserviert sein.

Realitär nicht zulässig

Die begleitende Werbekampagne zur Maßnahme geht sogar noch einen Schritt weiter: Bei den Sujets wurden auch Baustellenschilder und Fahrradwege auf arbeitende Frauen bzw. Damenräder geändert. Diese Umstellungen wären nach Angaben der Stadtverwaltung wegen der Straßenverkehrsordnung in der Realität allerdings nicht zulässig.

Für diese und weitere Fragen des "Gender Mainstreamings" gibt es seit 2005 eine eigene Projektstelle im Wiener Magistrat. Deren Leiterin Ursula Bauer betonte, dass seither die Akzeptanz der Thematik steige: "Ich denke, wir werden noch ein paar Jahre brauchen, aber wir werden das sicher hinkriegen."

Weitere Beispiele

Magistratsdirektor Ernst Theimer meinte, dass es in seinen Augen beim "Gender Mainstreaming" um KundInnenorientierung gehe. Praktische Beispiele aus der Arbeit des Magistrats in dieser Richtung seien die adäquate Ausleuchtung des öffentlichen Raumes, um so genannte Angsträume zu vermeiden, bauliche Anpassungen auf Friedhöfen oder eine geschlechtersensible Erziehung im Kindergarten.

Grüne begrüßen Kampagne - grundsätzlich

Die Grüne nicht amtsführende Stadträtin Monika Vana begrüßte den Schritt der Rathaus-SPÖ grundsätzlich. Allerdings müssten nun Taten folgen. Schließlich stagniere der Frauenanteil bei Spitzenfunktionen im Magistrat seit Jahren. Umgekehrt nähmen nur wenige Männer im öffentlichen Dienst Väterkarenz in Anspruch. "Kampagnen mit witzigen Sujets sind schön und gut, dennoch lässt die SPÖ in der Frauenpolitik seit langem konkrete Taten vermissen", beklagte Vana.

Säumigkeit

Zudem warfen die Grünen und auch die ÖVP der regierenden SPÖ vor, beim "Gender Mainstreaming" säumig zu sein. "Während für den Bund Gender Mainstreaming längst gang und gäbe ist, ist in Wien davon nichts zu sehen", so die VP-Frauensprecherin Barbara Feldmann. Bei Kindergartenkosten, Betreuungsplätzen und ähnlichem sei die SPÖ Wien ein Nachzügler. "Vorreiter ist die SPÖ in Wien lediglich im Produzieren von Hochglanzbroschüren, Schildern und Piktogrammen auf Kosten der Steuerzahler", so Feldmann.

Wenig begeistert: die FPÖ

Für FPÖ-Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein stellt die Maßnahme eine sinnlose "Geldvernichtungsaktion" als "Beschäftigungstherapie für unterbeschäftigte Politiker" dar. Dies zeige einmal mehr, dass die Politik in Wien an den wesentlichen Problemen der Zeit völlig vorbei gehe. Außerdem könnten viele ZeitgenossInnen Sexismus in den neuen Sujets entdecken, wenn Frauen mit langen Haaren und in Rock und Stiefeln dargestellt würden. (APA)

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Ansichtssache: Wien sieht's anders
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    Nicht zulässig, aber Teil der Kampagne: Baustellenschilder mit arbeitenden Frauen.
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