Rechte Rabbiner verbieten Schulbücher mit Grenzen von 1967

13. Dezember 2006, 16:49
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Bildungsministerin Tamir spricht von Kabbalisten-Fluch "Pulsa de Nura"

Jerusalem/Wien - Eine Organisation rechtsgerichteter Rabbiner hat am Dienstag ein Rechtsgutachten veröffentlicht, in dem israelischen Schülern der Gebrauch von Lehrbüchern verboten wird, in denen die "grüne Linie", die Grenzen Israels vor dem Krieg im Juni 1967, eingezeichnet ist. Die Rabbiner reagierten damit auf einen Erlass von Bildungsministerin Yuli Tamir, wonach die Grenzen von 1967 in allen Ausgaben der neuen Lehrbücher eingezeichnet werden müssen, berichtete die israelische Zeitung "Haaretz" in ihrer Online-Ausgabe.

Der Vorsitzende der Nationalreligiösen Partei, Zevulun Orlev, sagte, mit ihrer Entscheidung wolle Tamir ihrem Ministerium ihre "Frieden Jetzt"-Ideologie aufzwingen. "Frieden Jetzt" ("Shalom Ahshav") ist eine israelische Friedensorganisation, die sich für einen Rückzug aus den besetzten Gebieten einsetzt.

Kritik von Kadima-Abgeordneten

Auch der Abgeordnete der Regierungspartei Kadima, Ronit Tirosh, kritisierte Tamir, die dem Koalitionspartner Arbeitspartei (Avoda) angehört. Sie habe keine Befugnis, eine solche Anordnung zu treffen, meinte er. Tamir entgegnete, Israel könne nicht von seinen arabischen Nachbarn verlangen, die Grenzen von 1967 auf ihren Karten einzuzeichnen und diese gleichzeitig aus seinen Schulbüchern und dem Bewusstsein seiner Schüler tilgen.

Den Spruch der rechten Rabbiner zu den Schulbüchern verglich Tamir mit dem kabbalistischen Fluch "Pulsa de Nura" (Feuerpeitsche). Der extremistische Rabbiner Yossi Dayan hatte behauptet, er habe den Fluch gegen den 1995 ermordeten Premier Yizhak Rabin angewandt.

Die "grüne Linie", die Waffenstillstandslinien von 1949, trennte bis zum Sechstagekrieg vor 39 Jahren das israelische Kernland vom jordanischen Westjordanland und vom ägyptischen Gaza-Streifen. Von den gemäßigten Palästinensern wird diese Linie als Grenzverlauf für einen künftigen eigenen Staat gesehen. Israel strebt jedoch eine weiter östlich verlaufende Grenzziehung an und will Gebiete großer israelischer Siedlungsblöcke im Westjordanland annektieren.

Auf israelischen Landkarten werden die Palästinenser-Gebiete meist als ein Teil des israelischen Staatsgebietes dargestellt. Auch palästinensische Landkarten zeigen allerdings meist nur das historische Palästina und ignorieren die Existenz Israels. (APA)

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