Domaindesaster holt EU-Parlament ein

12. Dezember 2006, 17:55
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90-seitige Bürgerpetition zu .eu-Vergabe beschäftigt Ausschuss - Kritik an .eu-Domainvergabe landet im Parlament

Kritiker der umstrittenen .eu-Domainvergabe haben einen Achtungserfolg in Brüssel errungen. Wie Daniel Kollinger, Mitbegründer der Protestplattform, pressetext mitteilte, wurde eine von der Initiative eingereichte Petition nun vom Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments zur Begutachtung zugelassen. Damit verpflichtet sich der Ausschuss, den in der Petition angeführten Kritikpunkten und Anschuldigungen auf den Grund zu gehen. Unabhängig davon hat sich in der Zwischenzeit auch eine Reihe von EU-Parlamentariern der Sache angenommen und die Kommission um Klärung der Vorwürfe ersucht.

Erfolg

"Die Annahme der Petition durch den Ausschuss werten wir in jedem Fall als Erfolg für die Initiative und deren Unterzeichner", erklärt Kollinger. Der Umstand, dass eine Petition vom Parlament behandelt werde, sei zwar für sich allein genommen noch keine Besonderheit. Aufgrund des großen Umfangs des Schriftstücks und der dafür verwendeten peniblen Recherche rechnet Kollinger jedoch damit, dass sich der Ausschuss ernsthaft mit der Materie befassen muss. "Das ist keine Zwei-Seiten-Petition, die im Schnelldurchgang abgehakt werden kann", so Kollinger . Auf insgesamt rund 90 Seiten listet die Petition eine Reihe von Fallbeispielen auf, anhand derer die absurde Vergabepraxis rund um die .eu-Domains verdeutlicht werden soll.

Liberal

Unterstützung erhält die Initiative unter anderem von der britischen liberalen Abgeordneten Diana Wallis, die ihrerseits Licht ins Dunkel rund um die Vorgänge bei der .eu-Vergabe bringen will. "Wenn der Missbrauch nur annähernd so groß ist, wie es im Moment aussieht, haben wir es hier mit einem riesigen EU-Skandal zu tun, für den die Kommission zur Verantwortung gezogen werden muss", so Wallis auf Nachfrage von pressetext. Eine im August dieses Jahres getätigte Anfrage an die EU-Kommission bezüglich spekulativer Domaingeschäfte und absurder Vergaberegelungen hat Wallis zufolge nur wenig zur Klärung der bekannten Vorwürfe beigetragen. Die Parlamentarierin will sich damit nicht zufrieden geben und plant ihrerseits, mit Vertretern der Vergabebehörde Eurid selbst zusammenzutreffen. Weitere Schritte wolle sie von diesem Treffen abhängig machen, so ein Sprecher ihres Büros gestern, Mittwoch, zu pressetext.

Fehlschlag

Für den Vertreter der Protestinitiative, Daniel Kollinger, steht unabhängig vom Ausgang der Ausschussberatungen fest, dass die ursprünglichen Ziele des EU-Parlamentes klar fehlgeschlagen sind. Durch die .eu-Einführung habe man den europäischen Onlinemarkt intereuropäisch fördern und somit weltweit stärken wollen. "Durch die konzentrierte Verteilung der Domains auf einige wenige Grabber sind diese Pläne zunichte gemacht worden", so Kollinger. Aufgrund der vorhandenen Beweislast rechnet der .eu-Vergabekritiker allerdings damit, dass es früher oder später zu Konsequenzen bei den Verantwortlichen kommen werde. (pte)

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