Belgrad -Prozess gegen Seselj "bis auf Weiteres" unterbrochen

1. Dezember 2006, 22:49
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UNO-Tribunal: "Im Interesse der Gerechtigkeit" - SRS-Chef wird von internationalem Ärzteteam untersucht

Den Haag/Belgrad - Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien hat "bis auf Weiteres" den gegen Vojislav Seselj laufenden Prozess unterbrochen. Der Gesundheitszustand des im Hungerstreik befindlichen Vorsitzenden der Serbischen Radikalen Partei (SRS) hat sich nach Meinung des zuständigen Tribunalssenates dermaßen verschlechtert, dass er "sogar wenn er das wollte, nicht mehr in der Lage wäre, dem Pflichtverteidiger seine Instruktionen zu erteilen". Der Tribunalssenat sei der Ansicht, dass die Aussetzung des Prozesses in diesem Augenblick "im Interesse der Gerechtigkeit" sei, teilte das UNO-Tribunal mit.

Ein Tribunalssprecher bestätigte Belgrader Medien gegenüber, dass Seselj - nach eigenem Wunsch - am Montag von einem internationalen Ärzteteam untersucht werde. Der Belgrader Arzt Milan Babic, ein Parteifreund von Seselj, soll schon am Samstag die Gelegenheit bekommen, den Inhaftierten im Krankenhaus zu untersuchen.

Hungerstreik seit 10. November

Seselj war am 10. November in den Hungerstreik getreten und befindet sich seit Mittwoch im Krankenhaus des Tribunal-Gefängnisses. Der Prozess gegen den Ultranationalisten wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina wurde am Montag in seiner Abwesenheit aufgenommen

Seselj hatte seinen Hungerstreik zuerst mit "restriktiven Maßnahmen" des Tribunals hinsichtlich der Besuche seiner Ehefrau Jadranka begründet. Er verlangte auch die Entlassung der ihm vom UNO-Tribunal zugewiesenen Pflichtverteidiger. Inzwischen hat er seinen Forderungskatalog erweitert. Ein Belgrader Sender berichtete am Freitag, dass unterdessen vom UNO-Tribunal Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes eingeladen worden seien, den Hungerstreikenden im Gefängniskrankenhaus zu besuchen.

Seselj hatte bei einer Vorverhandlung im UNO-Tribunal am 8. November bestätigt, dass er auf den Prozessbeginn vorbereitet sei. Zwei Tage später trat er in den Hungerstreik. Der Prozess wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina wurde am Montag aufgenommen. Seselj erschien nicht im Gerichtssaal des UNO-Tribunals, was vom zuständigen Senat als "Obstruktion" bezeichnet wurde. Daraufhin wurden seine Pflichtverteidiger beauftragt, im weiteren Verlauf des Prozesses den Angeklagten zu vertreten. (APA)

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    Der serbische Ultra-Nationalist und mutmaßliche Kriegsverbrecher Vojislav Seselj.

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