"Erwachsene lassen sich zu spät testen"

5. Juni 2007, 14:56
posten

Steirische Aids-Hilfe warnt: 2006 mehr Neuinfektionen - "Risikogruppen" werden durch "riskantes Verhalten" ersetzt

Graz - "Prävention ist die einzige Chance gegen die Ausbreitung", erklärte Lola Fleck, Leiterin der Steirischen Aids-Hilfe, anlässlich des Welt-Aids-Tages (1. Dezember). Die neuesten Zahlen des Gesundheitsministeriums zeigten, dass die Zahl der Neuinfektionen trotz Aufklärung und Beratung im Steigen begriffen ist. In Österreich gab es in den ersten drei Quartalen 2006 367 Neuinfizierte (im Vergleichszeitraum 2005: 328), in der Steiermark hingegen ging die Zahl von 34 in den ersten drei Quartalen 2005 auf heuer 23 zurück.

Keine Heilung

Der erste registrierte Fall liegt bereits 25 Jahre zurück, doch noch immer hat die Medizin keinen Impfstoff gefunden, der die sexuell übertragbare Krankheit heilen kann. Aus diesem Grund sei die Prävention, unter anderem seit 1986 unterstützt durch die Steirische Aids-Hilfe, so wichtig, sagte Fleck. In der Steiermark wurden in den vergangenen 20 Jahren 681 Menschen positiv getestet (Stand 31. 10. 2006). Bei 181 ist die Krankheit ausgebrochen, 115 sind gestorben.

Steirische Aids-Hilfe

Die Steirische Aids-Hilfe betreut derzeit 187 HIV-Positive, wobei unter den 63 Frauen und 124 Männern rund 20 Prozent Homosexuelle sind. Das zeige deutlich, dass es nicht mehr nur die Risikogruppe der homosexuellen Männer oder Drogenabhängigen gebe. Beratungsspezialistin Helga Gartner spricht vom so genannten Risikoverhalten. Vor allem heterosexuelle Erwachsene ließen sich sehr spät testen, da sie sich nicht gefährdet sehen. Dabei sei der Test bei der Aids-Hilfe sowohl kostenlos als auch anonym. Derzeit werden rund 50 Tests pro Woche durchgeführt, schilderte Fleck. Den Befund erhalte jeder Getestete in einem persönlichen Gespräch nach etwa einer Woche.

Die Institution für Beratung und Prävention finanziert sich zu 75 Prozent aus Subventionen vom Gesundheitsministerium. Der Rest komme von Seiten des steirischen Gesundheitsressorts, dem Sozialressort der Stadt Graz und Spenden, so die Leiterin. Insgesamt stünden der Institution in der Grünen Mark rund 450.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Damit wird vor allem in Schulen über die Immunschwächekrankheit informiert, psycho-soziale Betreuung geboten und die Finanzierung der Aids-Tests garantiert. (APA)

Information: Die Steirische AIDS-Hilfe bietet einen kostenlosen und anonymen Antikörpertest, verbunden mit einem Beratungsgespräch an:
Di und Do 16.30 bis 19.30 Uhr
Schmiedgasse 38, 8010 Graz
Tel. 0316/81 50 50
E-Mail: steirische@aids-hilfe.at
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.