Burgenland: In den großen Schuhen der alten Wählerfischer

27. November 2006, 16:38
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Vor dem Wahljahr 2007 gibt es neue Gesichter in den Rathäusern von Eisenstadt und Gols

Eisenstadt - Im Herbst 2007 wählt das Burgenland seine Gemeinderäte. In den Kommunen ist also jetzt die Zeit, allfällige Nachfolger in Position zu bringen. In Eisenstadt hat der erst seit 2002 amtierende Bürgermeister Peter Nemeth "aus ausschließlich privaten Gründen" seinen Rückzug aufs Amt des Wirtschaftskammerpräsidenten verkündet. Und in Gols ist ein veritables Urgestein - sozusagen die in einer Person konzentrierte Vorstellung vom Bürgermeister im Allgemeinen - dabei, den Hut zu nehmen: Matthias Achs.

In der traditionell schwarz geführte Landeshauptstadt wird ab Mitte Jänner Andrea Fraunschiel Nemeth nachfolgen. Eisenstadt hat damit nach Innsbruck als erst zweite Landeshauptstadt eine Frau als Bürgermeisterin.

Überraschungen

Das bedeutet freilich keineswegs, dass die Eisenstädter vor Überraschungen stehen. Fraunschiel ist eine der profiliertesten Politikerinnen des Landes. Seit 1992 sitzt sie im Gemeinderat, seit 2002 ist sie erste Vizebürgermeisterin, die immer mehr in die künftige Rolle gewachsen ist, nachdem sie im Vorjahr ihr Bundesrats- gegen ein Landtagsmandat getauscht hat.

Also überraschen auch sie die Alltäglichkeiten des vorauseilenden Hackelschmeißens nicht. Schon hat die SPÖ ihre Schuhgröße (38 1/2) gegenüber der ihres Vorgängers (43 1/2) in die politische Auseinandersetzung geworfen. Die Grünen urgieren weiterhin einen City-Bus.

Demgegenüber forciert Fraunschiel erwartungsgemäß das Modell eines geförderten City-Taxis ("vergleichbare Städte wie Enns wollen das kopieren"). Wenn vom öffentlichen Verkehr geredet werde, rede sie lieber über die fehlende Bahnanbindung nach Wien. "Wir sind die einzige Landeshauptstadt ohne solchen Zuganschluss." Unlängst erst habe ihr Friseur erzählt, eine Wienerin hätte bei ihm arbeiten wollen, "aber sie hat kein Auto, und so ist nichts daraus geworden".

Insgesamt werde sich Eisenstadt auf der Achse Wien-Sopron weiterhin einrichten mit einer eindeutigen Positionierung Richtung "Erweiterung der Lebensqualität", wozu sie auch und vor allem "die hervorragende Infrastruktur" rechnet. "Als Landeshauptstadt haben wir zum Beispiel eine hohe Ärztedichte, alle Schulen sind da, und ein Akzent meiner Tätigkeit wird ein Schwerpunkt sein, den man unter dem Titel ,Generationen' überschreiben könnte."

Ferner Gruß

Wie ein Gruß aus ferner Zeit erklingt da der Abschied aus Gols. Matthias Achs räumt den Bürgermeistersessel, der seit 1977 sein Arbeitsplatz gewesen ist. Der gelernte Polizist war freilich auch einer der stillen SP-Granden. Bundesweit bekannt wurde Achs als einziger Nationalrat, der der 0,5-Promille-Grenze seinen Segen versagte. Die Weinbaugemeinde Gols dankte es ihm mit Zustimmung. Und auch für seinen Nachfolger, Hans Schrammel, wird sich wohl die Frage der Schuhgröße stellen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe 25./26.11.2006)

  • Eisenstadts Andrea Fraunschiel wird Mitte Jänner die zweite Frau an der Spitze einer Landeshauptstadt.
    foto: regine hendrich

    Eisenstadts Andrea Fraunschiel wird Mitte Jänner die zweite Frau an der Spitze einer Landeshauptstadt.

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