Ökostrom im Aufwind

5. Jänner 2007, 11:12
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Fördervolumen für Strom aus Wind, Biomasse und Biogas heuer bei 189 Millionen Euro - Ausbau dürfte sich erst 2008 abschwächen

Wien - Der Boom bei Ökostrom hat sich heuer ungebremst fortgesetzt und dürfte auch 2007 anhalten, erwartet die Energieregulierungsbehörde E-Control. Ab 2008 könnte die Ausbauintensität allerdings wegen Sättigungseffekten zurückgehen, bei Windkraft könnte dies schon ab 2007 der Fall sein, geht aus dem jüngsten Ökostrombericht der E-Control hervor. Rund ein Drittel der bereits genehmigten Biomasse- und Biogasanlagen werden erst 2006 und 2007 fertig gestellt werden. Die Kosten für die Förderung steigen.

Für heuer rechnet die E-Control mit einem Fördervolumen für den so genannten "sonstigen Ökostrom" (Wind, Biomasse, Biogas, Photovoltaik und Geothermie) von 189 Mio. Euro, im kommenden Jahr dürften es 286 Mio. Euro werden. 2005 waren es 149 Mio. Euro. Vor allem die Volumina für die Biomasse dürften 2007 kräftig auf 150 Mio. Euro steigen, nach 86 Mio. Euro 2006. Die Fördervolumina für Windkraft bleiben bei rund 66 (nach 61) Mio. Euro stabil. Für die kommenden drei bis fünf Jahre könnte das gesamte Fördervolumen zwischen 270 bis 280 Mio. Euro liegen.

Steigender Marktpreis

Inklusive Kleinwasserkraft und der fossilen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) lagen die Förderkosten im Vorjahr bei 274 Mio. Euro, für heuer werden wegen eines Rückgangs des Kleinwasserkraft-Förderbedarfs 252 Mio. Euro geschätzt und für nächstes Jahr ein starker Anstieg auf 365 Mio. Euro. Wegen des 2005 höheren Marktpreises liegen die Zahlen für die Förderkosten leicht unter den Schätzungen des Vorjahres. Die Zahlungen für die Kleinwasserkraft könnten heuer und im kommenden Jahr auf je 24 Mio. Euro sinken, nach noch 57 Mio. Euro 2005. Die Kleinwasserkraft könnte aus dem Förderregime überhaupt hinausfallen, die Einspeisetarife betragen im Durchschnitt 5,52 Cent/kWh. Die Stromerzeugung aus Biomasse und Biogas kostet im österreichweiten Durchschnitt aber mit rund 13 Cent/kWh bzw. 13,7 Cent/kWh (erstes Quartal 2006) immer noch mehr als das doppelte des normalen Strompreises. Der Einspeisetarif bei Windkraft lag bei 7,8 Cent/kWh.

Bei einem durchschnittlichen Haushalt schlage sich die Ökostromförderung mit rund 28 bis 30 Euro pro Jahr nieder, sagte Christian Schönbauer, Leiter Ökoenergie in der E-Control. Auf der gesamten Stromrechnung (reiner Energiepreis, Netz sowie Steuern und Abgaben) nehme die Ökostromförderung einen Anteil von rund 6 Prozent ein.

Garantierte Einspeistarife

Bis Ende 2007 könnten 8,8 Prozent des an Endverbraucher abgegebenen Stroms aus dem sonstigen Ökostrom (vor allem Windenergie, Biomasse und Biogas) kommen. 2003 lag dieser Anteil bei nur 1,2 Prozent, 2005 waren es bereits 4,2 Prozent und heuer dürften es 6,5 Prozent sein. 2.100 GWh werden im kommenden Jahr nach Prognosen der E-Control aus Windkraft stammen, 2.000 GWh aus fester Biomasse und 500 GWh aus Biogasanlagen. Die unterstütze Strommenge (exklusive Kleinwasserkraft) wird sich nach Schätzungen der E-Control von 2003 bis 2007 von rund 600 GWh auf 4.800 GWh verachtfachen.

Genehmigt waren bis 30. März 2006 Anlagen zur Erzeugung von "sonstigem Ökostrom" mit einer Engpassleistung von insgesamt 1.563 MW. Diese fallen noch unter das "alte" Ökostromregime mit garantierten Einspeisetarifen für 13 Jahre. In Betrieb waren bis zur Jahresmitte rund 1.300 MW. Zum Vergleich: Das Donaukraftwerk Wien Freudenau hat eine installierte Leistung von 172 MW.

In Betrieb waren per Ende Juni dieses Jahres Anlagen mit einer Leistung von 1.302 Megawatt (MW). Genehmigte und noch nicht in Betrieb befindliche Anlagen gibt es vor allem im Bereich der festen Biomasse, hier sind rund 235 MW in Betrieb und insgesamt 403 MW (166 Anlagen) genehmigt. Bei Biogas waren 57 MW in Betrieb, 81 MW (325 Anlagen) sind genehmigt. Die E-Control erwartet, dass die genehmigten Biomasse- und Biogasanlagen großteils bis Ende 2007 errichtet sein werden.

Bei der Windkraft waren per Ende März 992 MW genehmigt und per Ende Juni 959 MW in Betrieb. Beim Ausbau der Windkraft stoße Österreich mangels noch verfügbarer geeigneter Standorte langsam an die Grenzen. Derzeit sind in Österreich 640 Windräder in Betrieb.

Ökostromförderung bis 2022

Mit dem Ökostromgesetz 2002 sind Subventionen von insgesamt 3 Mrd. Euro für den Ausbau von Ökostrom genehmigt. Mit der Gesetzesnovelle aus 2006 kommt laut E-Control eine weitere Milliarde Euro dazu, mit denen bis 2011 rund 200 weitere Windräder, 250 weitere Biogasanlagen und rund 35 Biomasseanlagen zur Stromerzeugung gefördert werden können. Diese 4 Mrd. Euro verteilen sich auf die Jahre 2003 bis 2022, in den Spitzenjahren können es bis zu 290 Mio. Euro werden. Damit werden in Summe rund 10 Prozent der Stromversorgung aus dem geförderten Ökostrom (ohne Wasserkraft) bestehen.

Mengenprobleme bei Biomasse

Bei der Biomasse könnte es zu Mengenproblemen kommen, es sei ein Trugschluss, dass alles, was Biomasse sei, unbegrenzt zur Verfügung stehe, so Christian Schönbauer, Leiter Ökoenergie in der E-Control zur APA. Mit den genehmigten Biomasseanlagen würden rund 3 Millionen Festmeter Holz für die Stromerzeugung eingesetzt, rund ein Drittel davon werde importiert. Es sei vielleicht noch möglich, weitere 2 bis 3 Millionen Festmeter aus Österreichs Wäldern zu holen. Selbst wenn man diese zusätzlichen Biomassemengen nur für Stromerzeugung nutzen würde, was nicht zu empfehlen sei, könne man damit aber mit 1 bis 1,5 Mrd. kWh nur die Strombedarfssteigerung von zwei Jahren, also rund 2,5 bis 3 Prozent, in Österreich decken.

Mittels erneuerbarer Energien sei mit den derzeitigen Technologien nur ein Teil des wachsenden Strombedarfs zu decken, auch wenn man die Energieeffizienz forciere. Es gebe hier einen großen Unterschied zwischen "Wunsch und Wirklichkeit". Laut Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts werde der Strombedarf in Österreich von 60.000 GWh im Jahr 2004 bis 2020 auf 81.000 GWh (Effizienzszenario) bzw. 89.000 GWh steigen. Die Stromerzeugung in Österreich aus erneuerbaren Energieträgern (inklusive Wasserkraft nach Abzug von Pumpstrom) lag 2005 bei 40.900 GWh. Forschung und Technologie seien derzeit noch nicht so weit, um das Zeitalter fossiler Energieträger abzulösen. Dafür seien noch technologische "Quantensprünge" nötig, so Schönbauer.

Auch wenn es durch eine höhere Energieeffizienz gelinge, die Stromverbrauchssteigerung um rund 8 TWh zu kürzen, liege der Stromverbrauch 2020 laut Wifo-Berechnungen immer noch um 20 TWh über dem Wert von 2004. Dies sei fast doppelt so hoch wie mit 4 Mrd. Euro Subventionszusagen für Ökostrom erreicht werden könne.

Ersparnis

Bei Windenergie beispielsweise erspare man sich auf Grund der Volatilität nur ein Zehntel an konventionellen Kraftwerken, weil die Stromversorgung auch in windstillen Zeiten gesichert sein müsse. Eine spürbare Entlastung brächten die erneuerbaren Energien bei den Treibhausgas-Emissionen, der CO2-Ausstoß werde um 2 bis 3 Millionen Tonnen jährlich reduziert.

Die E-Control empfiehlt im Ökostrombericht unter anderem nationale und internationale Forschungs- und Technologieentwicklungsschwerpunkte zu setzen sowie ein verbrauchsnahes Monitoring der Gesamtenergieverbrauchsentwicklung als Grundlage für Energieeffizienz zu entwickeln. Zudem sollten die Auswirkungen der Ökostromgesetznovelle 2006 in den nächsten zwei bis drei Jahren beobachtet werden. Danach sollte es zu einer Evaluierung kommen. Weiter berücksichtigt werden sollten Punkte wie optimale Nutzung der noch vorhandenen Wasserkraftpotenziale, keine breite Förderung netzgekoppelter Stromerzeugung mit Erzeugungskosten weit über 10 Cent/kWh sowie der Ausbau der Windkraft an - auch im internationalen Vergleich - optimalen Standorten. (APA)

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E-Control
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    foto: standard/christian fischer
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