Kontakt mit Aliens? Wir wären nicht vorbereitet

27. November 2006, 13:25
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Autor Michael Michaud ging Fragen um die Konsequenzen einer hypothetischen Begegnung nach und fand vor allem Ungeklärtes

Wien - Sollte es zu einem Kontakt mit Außerirdischen kommen - in welcher Form auch immer -, die Menschheit wäre darauf nicht vorbereitet. Abgesehen von der Hauptstreitpunkt, ob Leben oder gar Intelligenzen abseits unseres Planeten existieren, gibt es diesbezüglich deutlich mehr offene Fragen als Antworten, erklärte Michael Michaud bei einem vom European Space Policy Institute (ESPI) in Wien organisierten Vortrag am Donnerstag.

Michaud ist Diplomat, er war unter anderem Direktor des U. S. State Departments Office of Advanced Technology. Sein jüngstes Buch "Contact with Alien Civilizations" ist vor wenigen Tagen erschienen. Michaud widmet sich in seinem Werk nicht Spekulationen, ob es nun Außerirdische gibt oder nicht, vielmehr beleuchtet er ansonsten kaum bedachte Fragen und Probleme rund um die Suche nach extraterrestrischem Leben.

Wankende Weltbilder

Der Experte ist überzeugt, dass ein Kontakt mit einer fernen Zivilisation nicht zu unterschätzende Konsequenzen für unsere Gesellschaften hätte. Dabei müssten diese nicht einmal auf der Erde landen. Selbst ein zufällig oder gewollt aufgefangenes und eindeutiges Signal einer anderen Welt, ein so genannter Fernkontakt, könnte Religionen und Weltbilder erheblich ins Wanken bringen. Die Menschheit und die Erde wären dann definitiv nichts einzigartiges mehr. Wer soll daher wann davon erfahren? - nach Ansicht von Michaud lauter unbeantwortete Fragen.

Dabei ist ohnehin fraglich, ob und wie ein entsprechendes Reglement greifen sollte, da heute wegen mangelhafter öffentlicher Förderungen in erster Linie private Einrichtungen ihre elektronischen Fühler in den Weltraum ausgestreckt haben. Wie groß die Chance ist, jemals ein derartiges Signal aufzufangen, auch darüber spekuliert der Weltraumexperte nicht. Er ist nur überzeugt, dass die Chancen auf Grund der laufend verbesserten Technik steigen, daher sollte man sich die Konsequenzen überlegen.

Wer spricht für die Erde?

Weiters hat sich - wie Michaud bemängelte - bis jetzt niemand so wirklich überlegt, ob es sinnvoll ist, dass wir nicht nur lauschen, sondern auch senden. "Wir machen uns aufspürbar, ohne uns jemals überlegt zu haben, was uns erwartet", so der Experte. Dabei müssten wir im Falle einer Entdeckung mit dem Besten ebenso rechnen wie mit dem Schlimmsten.

Nicht zuletzt ist völlig offen, wer derartige Debatten bezüglich des Umgangs mit fremden Zivilisationen überhaupt führen sollte und Entscheidungen treffen könnte. Versuche, die UN-Weltraumbehörde OOSA damit zu befassen, hätten jedenfalls wenig Echo gefunden, bemängelte Michaud. (APA/red)

Link

European Space Policy Institute

"Contact with Alien Civilizations. Our Hopes and Fears about Encountering Extraterrestrials" von Michael Michaud, Springer, Berlin, 24,56 Euro; ISBN-10: 0-387-28598-9
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    "Wir machen uns aufspürbar, ohne uns jemals überlegt zu haben, was uns erwartet."

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