Bio-Boom führt zu Engpässen

28. November 2006, 11:57
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Der Verkauf von Bio-Lebensmitteln und Getränken steigt weltweit beträchtlich an. Die Nachfrage übersteigt nicht nur in Österreich das Angebot

London - Der Verkauf von Bio-Lebensmitteln und Getränken steigt weltweit beträchtlich an. Es werden Einnahmen von etwa 40 Mrd. Dollar (31,2 Mrd. Euro) für dieses Jahr prognostiziert. Vom internationalen Forschungsinstitut Organic Monitor angestellte Untersuchungen zeigen, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt und einige Gebiete bereits Engpässe im Angebot melden.

In den nordamerikanischen Staaten ist die Unterversorgung am deutlichsten zu spüren. Leere Lebensmittelregale sind für einige Produktkategorien zum Standard geworden. Engpässe im Angebot haben in diesem Jahr auch einige europäische Länder zu verzeichnen, da auch in Europa die Nachfrage nach biologisch produzierten Lebensmitteln stark zugenommen hat. Organische Fleisch- und Milchprodukte sind am stärksten von der Unterversorgung betroffen und sowohl aus Südamerika als auch aus Australasien werden Produkte importiert.

Früchte und Gemüse

Früchte und Gemüse sind im Allgemeinen die beliebtesten Bio-Produkte. Diese Kategorie deckt ein Drittel der weltweiten Einkünfte ab. Frische Produkte wie Äpfel, Orangen, Karotten und Kartoffel sind gewöhnlich die ersten Produkte, die der Konsument in organischer Form kauft. Frisches Obst und Gemüse sprechen die Konsumenten an, die nahrhafte, gesunde Lebensmittel suchen. Die zweitwichtigste Produktkategorie unter den organischen Produkten sind Milchprodukte und Getränke.

Der jüngste Bericht des Organic Monitor "The Global Market for Organic Food & Drink" zeigt, dass sich eine Kluft zwischen biologischer Lebensmittelproduktion und dem Konsum derselben auftut. Die höchsten Verkaufszahlen an organischen Lebensmitteln stammen auf Grund der höheren Preise von reicheren Nationen. In der Schweiz, den USA und Singapur wird am meisten in den einzelnen Gebieten für Bio-Lebensmittel ausgegeben.

Die stärkste Produktionszunahme von organischen Lebensmitteln findet tatsächlich in den Entwicklungsländern statt. In Südamerika, Asien und Afrika zeigt sich seit 2000 ein dreistelliger Zuwachs an organischer Anbaufläche, während in anderen Ländern ein zweistelliger Zuwachs zu verzeichnen ist.

Unterschiedliche Standards

Der Bericht zeigt auch auf, dass die weltweite organische Lebensmittelindustrie auch bezüglich der Standards geteilt ist. Die drei größten Handelsgebiete - Europa, Nordamerika und Asien - haben jeweils eigene Standards für biologisch produzierte Lebensmittel und deren Unterschiede erschweren den weltweiten Handel. Die Folge davon sind für viele organische Lebensmittelhersteller Produktionsschwierigkeiten und übertriebene Bürokratie.

Eine weitere Herausforderung der Branche ist die Schaffung weltweiter Nachfrage nach Bio-Produkten. Da Europa und Nordamerika mehr als 90 Prozent des Verkaufs abdecken, orientiert sich die Produktion in anderen Ländern hauptsächlich am Export. Amarjit Sahota, Direktor des Organic Monitor, bemerkt: "Die ausschließliche Konzentration auf die Nachfrage könnte für die organische Lebensmittelindustrie eine gefährliche Situation schaffen."

Langsame Zuwachsraten in Europa oder Nordamerika oder in beiden Gebieten gleichzeitig könnten den Markt für zahlreiche Produzenten schließen. Er rät den Produzenten in Entwicklungsländern, interne Märkte für Bio-Lebensmittel zu schaffen, sodass sie nicht gänzlich von Exportmärkten abhängig sind.

Nachfrage übersteigt Angebot

Auch in Österreich übersteigt die Nachfrage nach biologisch produzierten Nahrungsmitteln das Angebot. So können derzeit bei Birnen nur 10 Prozent des Bedarfs und bei Äpfeln nur 40 Prozent aus heimischer Bio-Erzeugung abgedeckt werden. Auch bei Fleisch könne die Nachfrage nicht mehr befriedigt werden.

Hier zu Lande werden rund 500 Mio. Euro Umsatz pro Jahr mit Bio-Lebensmitteln gemacht. 64 Prozent davon in Supermärkten, 14 Prozent im Naturkost-Fachhandel, jeweils 6 Prozent in der Gemeinschaftsverpflegung und in der Direktvermarktung. 6 Prozent der österreichischen Produkte werden exportiert, wobei die Nachfrage vor allem aus dem EU-Raum ständig zunimmt. In Österreich gibt es insgesamt 20.310 Bio-Betriebe - das sind 11,5 Prozent der heimischen Bauern. 14,2 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werden biologisch bewirtschaftet. (APA)

  • Hier zu Lande werden rund 500 Mio. Euro Umsatz pro Jahr mit Bio-Lebensmitteln gemacht.
    foto: standard/corn

    Hier zu Lande werden rund 500 Mio. Euro Umsatz pro Jahr mit Bio-Lebensmitteln gemacht.

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