Ein Institut made in USA

14. November 2006, 21:10
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Das MIT ist die produktivste technische Hochschule der Welt, was nicht zuletzt am herrschenden Gründergeist liegt

Die ETH Zürich ist ja auch nicht schlecht. In den internationalen Universitätsrankings der letzten Jahre belegte sie regelmäßig vordere Plätze und war dabei stets die mit Abstand beste deutschsprachige Uni. Doch im Vergleich zum Massachusetts Institute of Technology kann auch die Eidgenössische Technische Hochschule noch lernen, wie eine Schweizer Studie vor drei Jahren herausfand. Auf der einen Seite - dem Input gewissermaßen - sind die beiden Elitehochschulen recht ähnlich: Die Zahl der Studierenden beträgt an beiden Unis knapp über 10.000, auch bei der Zahl der Mitarbeiter (rund 10.000) und bei der fachlichen Ausrichtung gibt es wenig Unterschiede.

Beim Output verschieben sich die Verhältnisse ganz eindeutig, wie die beiden Schweizer Wissenschaftsexperten Marcel Herbst und François Da Pozzo vor drei Jahren in einer großen Vergleichsstudie herausfanden: So ist das MIT der ETH in Sachen Zahl und Bedeutung der wissenschaftlichen Publikationen sowie bezüglich der Anzahl der Forschungsgebiete und der Nobelpreisträger um den Faktor zwei bis vier überlegen.

Einmal ganz abgesehen vom Wirtschaftsfaktor MIT. Aus der 1861 gegründeten technischen Hochschule sind bis heute knapp 5000 Unternehmen hervorgegangen, die entweder von Studierenden oder von Fakultätsmitgliedern gegründet wurden. Bereits 1997 erwirtschafteten diese MIT-Firmen nach Berechnungen der Boston Bank zusammen etwa 1,1 Millionen und einen jährlichen Umsatz von 232 Mrd. Dollar. In einer Rangliste der Bruttonationalprodukte hätte das Rang 24 ergeben, einige Ränge vor Österreich.

Konkurrenz

Die außergewöhnliche Produktivität des MIT und seiner Mitarbeiter hat viele Gründe. Nicht der unwichtigste davon sei, dass an dieser Hochschule immer schon ein Gründergeist geherrscht habe, wie Carl Accardo meint, der am MIT für Industriebeziehungen zuständig ist. Bereits vom Freshman-Year an, also dem ersten Studienjahr, werden die Studierenden auf Entrepreneurship getrimmt - einmal abgesehen von der Konkurrenz, die ihr Campusleben prägt. Kurse über das Firmengründen gehören zum fixen Bestandteil jedes Studiums.

Die Studierenden und vor allem ihre Auswahl stellen einen weiteren wichtigen Faktor dar, wie auch Herbst und Da Pozzo in ihrer Studie betonen. Das private MIT wählt sich seine Studenten selbst aus: Nur rund jeder siebente Bewerber wird auch genommen, die dann pro Jahr mehr als 30.000 Dollar Studiengebühren berappen müssen. Immerhin 70 Prozent kriegen dann aber Stipendien. Bewerbungen liegen selbstverständlich aus der ganzen Welt vor, und von den insgesamt rund 6000 Postgraduates, also den Dissertanten, kommen mehr als 2400 aus insgesamt 110 Ländern. Der Wettbewerb um die (aber auch der) besten jungen Köpfe - auch und zumal um jene aus Asien - ist längst voll entbrannt.

Beim Lehrkörper gehen die Unterschiede, die den Unterschied machen, nahtlos weiter. Im Vergleich zur ETH hat das MIT dreimal mehr Professoren und dafür weniger klassische Mittelbaupositionen. Ganz generell kann der wissenschaftliche Nachwuchs am MIT viel früher eigenständig forschen und Karriere machen. Ein Beispiel unter sehr vielen: die 39-jährige Nanobiotechnologin Angela Belcher, die seit vier Jahren am MIT arbeitet und dieser Tage vom Scientific American zum "Researcher of the Year" gewählt wurde. Außerdem ist sie noch Mutter eines einjährigen Sohnes. Das MIT verfügt natürlich auch über ausreichende Kinderbetreuungseinrichtungen an zentraler Stelle.

Die Präsidentin des MIT ist seit 2004 übrigens auch eine Frau: die Neurobiologin Susan Hockfield. Und damit sind wir bei einem weiteren wesentlichen Faktor, der, wie Da Pozzo und Herbst herausfanden, für das MIT und andere US-Elite-Unis spricht: nämlich die professionelleren Leitungsstrukturen. Dadurch werden die eigentlichen Wissenschafter von bürokratischen Bürden entlastet und haben mehr Zeit und Raum zum Forschen. Und die Verwaltungsprofis sorgen auch dafür, dass das Geld nicht zu knapp wird. Das MIT-Stiftungsvermögen beträgt zur Zeit 8,4 Milliarden Dollar. Es wuchs damit allein im Vorjahr um 23 Prozent. (Klaus Taschwer aus Cambridge/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11. 2006)

  •  Teil des Massachusetts Institute of Technology: Ray and Maria Stata Center von Stararchitekt Frank Gehry.
    foto: taschwer

    Teil des Massachusetts Institute of Technology: Ray and Maria Stata Center von Stararchitekt Frank Gehry.

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