Lichtenecker grüne Umweltsprecherin

16. November 2006, 17:26
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Ökonomin ist Glawischnigs Nachfolgerin

Wien – Dass die politische Großwetterlage nicht das Thema einer Pressekonferenz ist, das kommt in diesen Tagen eher selten vor. Eva Glawischnig, stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, hatte deshalb einige Mühe, die entsprechenden Fragen der Journalisten abzuwimmeln: Nein, sie wolle eigentlich gar nicht kommentieren, was derzeit so alles passiere. Naja, eine Minderheitsregierung verschiebe die politischen Probleme nur und sei nicht viel mehr als der verlängerte Weg zu Neuwahlen. Ja, sie befürworte nach wie vor eine große Koalition und sei „die Letzte, die Neuwahlen will“. Und übrigens, sprechen wir doch bitte wieder über Sachthemen.

Erstmals nicht aus NGO

Oder über Personalia, denn die waren der eigentliche Anlass für die Pressekonferenz: Die oberösterreichische Ökonomin Ruperta Lichtenecker wird neue Umweltsprecherin der Grünen und somit Glawischnigs Nachfolgerin, da diese nunmehr dritte Nationalratspräsidentin ist. Mit Lichtenecker wird diese Position erstmals mit jemandem besetzt, der nicht aus einer Umwelt-NGO kommt. Dennoch repräsentiere Lichtenecker die grüne Umweltpolitik perfekt, attestierte Glawischnig ihrer Nachfolgerin. Es gehe den Grünen schließlich nicht darum, „den Umweltthemen eine Glasglocke überzustülpen, sondern es geht uns um thematisch integrierte Umweltpolitik“.

Lichtenecker betonte, ihr gehe es um das Zusammenspiel zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Dies stehe im Einklang mit aktuellen Studien, die derzeit auf der Klimaschutzkonferenz in Nairobi diskutiert werden und zeige, dass sich eine Klimakatastrophe auch in Form von erheblichen Kosten für die Wirtschaft auswirken werde.

Als konkretes politisches Ziel formulierte Lichtenecker unter anderem die Einrichtung eines „Energiewendefonds“ in der Höhe von 200 Millionen Euro, mit dessen Mitteln „beispielhafte Projekte“ finanziert werden sollen. Außerdem müsse es ein gesetzlich verbindliches Ziel zur Steigerung des Anteils erneuerbarere Energien von derzeit 23 auf 50 Prozent bis 2020 geben. Das immer wieder auftauchende „Gespenst“ Atomenergie solle keine Chance mehr haben, betonte Lichtenecker, und forderte auch Veränderungen bei den Forschungsausgaben weg von Atom- in Richtung erneuerbare Energie.

Lichtenecker und Glawischnig prangerten einmal mehr an, dass Österreich in puncto Klimaschutz zu den „Schlusslichtern“ zähle. Um die Kioto-Ziele umsetzen zu können, müssten diese auch innerstaatlich gesetzlich fixiert werden. Außerdem solle der Flugverkehr in den Emissionshandel eingebunden werden.

„Wenn ein Flugticket von Linz-Hörsching nach London billiger ist als ein Bahnticket von Linz nach Wien, dann kann da was nicht stimmen“, meinte Lichtenecker und forderte „Kostenwahrheit“, denn beim Flugverkehr, der am stärksten zu wachsenden Treibhausgasemissionen beitrage, müsse ein grundlegendes Umdenken einsetzen, meinte die neue Umweltsprecherin.

Lichtenecker ist seit 1991 bei den Grünen politisch aktiv. 2003 wurde sie vom oberösterreichischen Landtag in den Bundesrat entsandt, seit dieser Legislaturperiode ist sie Nationalrätin. Die promovierte Volkswirtin lehrt außerdem an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Neben Lichtenecker gehören Wolfgang Pirklhuber und Gabriela Moser dem grünen Umweltteam an. (Andrea Heigl/DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2006)

  • Die Volkswirtin Ruperta Lichtenecker ist neue grüne Umweltsprecherin.
    foto: grüne

    Die Volkswirtin Ruperta Lichtenecker ist neue grüne Umweltsprecherin.

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