Überleben mit Lebenslust

22. November 2006, 16:16
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André Hellers "Afrika! Afrika!" ist "Show" und kein "Fingerzeig-Event", will aber auch die heimische Politik wach rütteln

Wien – "Die Stunde der Verwandlung hat dieses Zelt erreicht", tönt es zu Beginn aus den Lautsprechern – und dieser Wandel wird zunächst einmal die Zuschauer betreffen, die eintauchen in die energiegeladene, leuchtende, virtuos-artistische und erhebende Welt Afrikas. Was in André Hellers Show "Afrika! Afrika!" ab Donnerstag auf die Bühne kommt, sei allerdings weniger Ergebnis jahrelangen und beinharten Trainings, sondern "Teil eines festlichen Tagesablaufes, in dem man sich bemüht, ein gutes und sinnliches Leben zu führen", wie Heller am Montag von der Cummunity in der Zeltstadt am Wiener Messegelände berichtete.

Das Ergebnis ist eine Show, die mehr als 100 Ausnahme-Artisten und Künstler aus 15 afrikanischen Ländern zusammenbrachte und die in Deutschland bereits über 600.000 Besucher enthusiasmierte. Seien es die Tänzerinnen und Tänzer aus Senegal, Guinea, Elfenbeinküste und Südafrika, die Menschenpyramiden aus Gabun und Tansania oder die "Körperexzentrik" von Huit Huit aus Angola, jenem als Spinnenmenschen auftretenden Künstler, der es in unglaublicher Weise schafft, seinen Körper durch ein Tennis-Racket zu tanzen. Hinter all dem Spektakel steht Ernstes – hinter jedem einzelnen Akrobaten stehen mindestens 60 Menschen in seiner Heimat, für deren Lebensunterhalt er sorgt. "Wir mögen Europa – aber wir lieben Afrika", erläutert Huit Huit. All die Emigration, die Flüchtlingsströme nach Europa würden einzig und allein dadurch ausgelöst, "dass die Menschen in meiner Heimat keine Möglichkeit haben, in Würde zu arbeiten und zu überleben". Oder, wie es Heller formuliert: "Es ist einzig unsere Ignoranz und unsere vollkommene Lieblosigkeit, die diese Not erzeugt." Und mit dieser Botschaft will das Projekt auch die heimische Politik wach rütteln.

Hellers Projekt will nicht nur über die Künstlergagen helfen: Pro Ticket geht auch je ein Euro an eine eigens ins Leben gerufene Unesco-Stiftung für Kulturprojekte. Dies als Hintergrund. Was auf der Bühne zu sehen ist, ist Farbenpracht, sensationelle Artistik, ein Konzentrat an Lebensfreude. "Es ist eine Show", betont Heller "und kein ethnologischer Kongress, kein politischer Fingerzeig-Event." Im Mittelpunkt stehe vielmehr: "Jetzt finde ich statt, jetzt leuchte ich". (frei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11. 2006)

  • André Heller blickt auf zu seinen Artisten, die er für "Afrika! Afrika!" aus 15 afrikanischen Ländern zusammenbrachte.
    foto: standard/corn

    André Heller blickt auf zu seinen Artisten, die er für "Afrika! Afrika!" aus 15 afrikanischen Ländern zusammenbrachte.

  • Doch hinter den Darbietungen, wie der "Körperexzentrik" von Huit Huit stecken auch dringende Anliegen und politische Botschaften.
    foto: standard/corn

    Doch hinter den Darbietungen, wie der "Körperexzentrik" von Huit Huit stecken auch dringende Anliegen und politische Botschaften.

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