Topgehälter wachsen weiter

21. November 2006, 13:12
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Auch wenn die Chefs börsenotierter Unter­nehmen in Österreich ihre Gehälter in den vergangenen fünf Jahren verdoppelten, haben sie internationales Niveau noch nicht erreicht

Wien - In den Chefetagen börsenotierter Unternehmen rumort es. Spektakuläre Firmenskandale aber auch die zunehmende Offenlegung von Managementgagen fördere "die Bereitschaft der Investoren, die Geschäftsführer für Fehlentscheidungen zur Verantwortung" zu ziehen. Drei- oder Fünf-Jahresverträge seien im internationalen Geschäftsleben nicht mehr zeitgemäß, erklärte Kathrin Kahrass vom Beratungsunternehmen Deloitte bei einem Pressegespräch am Montag in Wien. Die Saläre der Firmenbosse werden aber auch zukünftig weiter steigen.

Erst im Sommer hatte die Arbeiterkammer (AK) vorgerechnet, dass die Bosse von börsenotierten Unternehmen in Österreich in den vergangenen fünf Jahren ihre Gehälter verdoppelten. Für die Angestellten gab es lediglich ein Plus von zehn Prozent.

Offenlegung der Vorstandsgagen

Die zunehmende Offenlegung der Vorstandsgagen zwinge die Unternehmen zu kürzeren Verträgen für die oberste Führungsebene, so die Senior Managerin. Gleichzeitig treibe der damit verbundene Benchmark aber auch die Gehälter nach oben. Schließlich lasse die stärkere Transparenz mehr internationale Vergleiche zu.

So orientiere sich die Pharmabranche stark am US-Markt, nicht zuletzt, weil rund 50 Prozent der Pharmariesen amerikanische Unternehmen seien. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Schweizer Stiftung Ethos hat Novartis-Chef Daniel Vasella als Topverdiener mit fast 20 Mio. Euro jährlich ausgemacht.

Kehrseite

Im Europa werden die Vorstandsvergütungen nach Einschätzung der Beraterin weiter steigen, auch wenn eine Verlangsamung eingetreten sei - die Kehrseite der gesetzlichen Offenlegung von Managementgehältern. Wobei der Anteil leistungsabhängiger Gehaltsanteile wie etwa jährliche Bonuszahlungen oder Aktienpakete weiter zunehmen würden.

So hat der heimische bestbezahlte Manager, Erste Bank-Chef Andreas Treichl, dank Sonderbonus im Vorjahr eine Gage von "nur" 4,5 Mio. Euro für sich geltend machen können.

Das Hauptargument für langfristige Verträge für "Executives" - eine stabilere Führungsebene - lässt die Deloitte-Beraterin nicht gelten. "Ich persönlich finde kein Argument, warum Fünf-Jahresverträge (wie in Österreich, Anm.) notwendig sind." Denn die Verträge würden bei entsprechender Leistung in der Regel verlängert.

Proteste gegen Siemens-Vorstand

Vorstandsgehälter sollten jedoch nicht im "Vakuum" stattfinden. Der mittlerweile zurückgenommene Plan einer 30-prozentigen Gehaltserhöhung des deutschen Siemensvorstands nach Bekanntwerden der BenQ-Werksschließung nannte Kahrass "taktisch etwas unklug".

Das Ausscheiden auf Grund von Inkompetenz unter Mitnahme hoher Summen verliere hingegen in Europa zunehmend an Akzeptanz bei den Investoren. Im Gegensatz dazu sei es am US-Markt durchaus noch üblich, astronomische Abfindungssummen an die CEOs und CFOs zu bezahlen, was nicht zuletzt zu dessen "schlechtem Ruf" beigetragen habe.

Mängel hinsichtlich der Transparenz der Entscheidungsprozesse, auf denen die Vergütung beruhe, ortete Kahrass in den osteuropäischen Staaten. Auch Österreich habe hierbei noch Lernbedarf. (APA)

  • Deloitte: Topgehälter werden weiter nach oben klettern.
    foto: standard/matthias cremer

    Deloitte: Topgehälter werden weiter nach oben klettern.

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