Vier Tote bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kinshasa

18. November 2006, 23:17
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Zwischen der Polizei und Anhängern des Präsidentschafts­kandidaten Jean-Pierre Bemba - Bemba-Lager wirft Konkurrenten Kabila Wahlbetrug vor

Kinshasa - Bei Gefechten in der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo sind vier Menschen getötet worden. Drei der Toten seien Zivilisten, sagte Innenminister Denis Kalume am Sonntag. Die Gefechte entbrannten in Kinshasa am Samstag, als die Polizei gegen Anhänger von Vizepräsident Jean-Pierre Bemba vorging. Bemba wirft dem amtierenden Präsidenten Joseph Kabila massiven Wahlbetrug bei der Stichwahl am 29. Oktober vor.

Kabila vor Bemba

Laut neuen Teilergebnissen liegt Kabila weiter vor Bemba. Nach Auswertung der Stimmen in fast zwei Dritteln der Wahlbezirke komme Kabila auf rund 60 Prozent, sein Herausforderer Bemba auf rund 39 Prozent, teilte die Unabhängige Wahlkommission (CEI) am Freitag in Kinshasa mit. Das endgültige Ergebnis der Stichwahl soll am 19. November verkündet werden. In Eufor-Kreisen hieß es allerdings am Freitag, dass die Bekanntgabe des endgültigen Wahlergebnisses um einige Tage vorgezogen werden könne, dies hänge von der Sicherheitslage ab.

Der Wahlkommission warf das Bemba-Lager in einer Erklärung am Freitag vor, "unausgewogene" Teilergebnisse zu veröffentlichen und dabei Regionen zu bevorzugen, die pro Kabila seien. Bei der Stimmenauszählung gebe es "systematische Unregelmäßigkeiten" und "Betrügereien". Am Sonntag patrouillierten sowohl UN-Friedenstruppen als auch Soldaten der EU in Kinshasa. Nach Gesprächen von UN-Vertretern mit den rivalisierenden Gruppen schwiegen die Waffen.

Die internationalen Truppen waren mit gepanzerten Fahrzeugen in Kinshasa unterwegs, ein Panzerfahrzeug war direkt vor dem Eingang zu Bembas Haus positioniert. Das Gebäude wurde in der Vergangenheit von Kabilas Eliteeinheiten angegriffen. Am Samstag begannen die Schießereien nahe dem Büro Bembas auf der zentralen Hauptstraße Kinshasas. Einige Autoreifen brannten, Zivilisten verließen die Gegend, und mit Maschinengewehren und Granatwerfern bewaffnete Bemba-Soldaten waren zu sehen.

Die Polizei habe jugendliche Bemba-Anhänger auseinandertreiben wollen, als sie in der zweiten Reihe der Menschenansammlung bewaffnete Männer entdeckt habe, betonte Innenminister Kalume. Bembas Wahlkampf-Manager Fidel Babala sagte, die Polizei habe das Feuer auf die Jugendlichen eröffnet, die sich zu einer Demonstration für Bemba versammelt hätten.

Gespannte Lage

Kabila hatte in der ersten Wahlrunde am 30. Juli mit 44,8 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit verpasst, Bemba kam auf 20 Prozent. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses waren bei Zusammenstößen zwischen Anhängern beider Kandidaten 23 Menschen getötet worden. Am 10. Dezember soll der Präsident in sein Amt eingeführt werden. Kinshasa Stadt gilt als Hochburg von Bemba-Anhängern. Die Sicherheitslage ist seit Tagen äußerst gespannt. (Reuters, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 13.11.2006)

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    Ein bei den Schießereien verwundeter Anhänger des Präsidentschafts­kandidaten Jean-Pierre Bemba in Kinshasa.

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