Leben Sie noch oder sparen Sie schon?

13. November 2006, 01:00
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Das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Pensionisten verschiebt sich unaufhaltsam: In 30 Jahren werden zwei Pensionisten auf einen Erwerbstätigen kommen

Entgegen der Aussagen von diversen Politikern halten es manche Experten (Prof. Marin) für unumgänglich, eine weitere Pensionsreform anzustreben. Das Verhältnis zwischen den Erwerbstätigen und den Pensionisten verschiebt sich unaufhaltsam und in ca. 25-30 Jahren werden zwei Pensionisten auf einen Erwerbstätigen kommen. Dass das Pensionssystem in der derzeitigen Form so nicht aufrecht erhalten werden kann, ist eine logische Konsequenz. Als Richtwert geht man davon aus, das die zukünftigen Pensionen max. 60 Prozent des Einkommens betragen werden. Noch kritischere Stimmen gehen in der Zukunft von einer "Volkspension" (Einheitspension) aus.

Die private Vorsorge soll diese Differenz abfedern. Um den individuellen Vorsorgebedarf abschätzen zu können, gibt es computergestützte Berechnungmodelle, die anhand der Versicherungszeiten, des Einkommens, Kindererziehungszeiten eine mögliche Pension berechnen. Faktoren wie Lebenserhaltungskosten, Aufwendungen für die Kinder (die in der Pension wegfallen), Kreditrückzahlungen für den Eigenheimerwerb (die in der Pension wegfallen) werden hier ebenso berücksichtigt wie bereits eventuell getroffene Vorsorgemaßnahmen.

Produkte

Für die Pensionsvorsorge stehen mittlerweile viele Produkte zur Verfügung: von der klassischen Pensionsvorsorge bis hin zum Investmentfonds.

Als Grundsicherung sollte man eine Sparform wählen, die eine Leistung garantiert, damit man sich auf etwas verlassen kann. Solcherart findet man in der klassischen Pensionsvorsorge (mit Rentenzusage) wie in der Erlebensversicherung.

Beides sind Versicherungsprodukte und somit von KESt und Einkommenssteuer befreit. Die Mindestlaufzeit beträgt mindestens zehn Jahre. Die Erlebensversicherung bietet insofern Flexibilität, als zu Laufzeitende entschieden werden kann, ob das Gesamtkapital ausbezahlt oder die monatliche Rente in Anspruch genommen werden soll. Die Garantieverzinsung ist 2,25 Prozent, darüberhinaus wird noch die Gewinnbeteiligung zugeteilt.

Fondsgebundene Lebensversicherungen eignen sich hervorragend zur Optimierung der Ertragssituation. Es werden hier bereits Produkte mit Höchststandsgarantien angeboten. Nachdem es sich auch hierbei um Versicherungsprodukte handelt, wird auch hier keine KESt fällig. Da der Ertrag von dem jeweils hinterlegten Investmentfonds abhängig ist, kann man die Performance nur schätzen. Aufgrund der Erfahrungswerte werden - je nach Fonds - zur Hochrechnung sechs bis acht Prozent herangezogen.

Flexibilität

Bei allen diesen Langzeitverträgen ist Flexibilität wichtig - man weiß ja nie, was auf einen zukommt. Wichtig: Die Prämie, auf die man sich bei Vertragsabschluss festlegt, ist reduzierbar. Je nach Versicherungsgesellschaft und Sparform bewegen sich die Mindestprämien zwischen 20 und 50 Euro. Bei manchen Produkten kann während der Karenz oder auch bei Arbeitslosigkeit eine "Pause" eingelegt werden.

Achtung bei vorzeitiger Auflösung dieser Langzeitverträge: bei den Lebensversicherungen werden empfindliche Abzüge in Anrechnung gebracht. Die fondsgebundenen Lebensversicherungen haben da schon bessere Werte, aber Achtung: Gewisse Garantien werden nur dann wirksam, wenn der Vertrag nicht vorzeitig aufgelöst wird.

Investmentfonds sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Pensionsvorsorge aufzufetten. Eine vertraglich vereinbarte Laufzeit gibt es meistens nicht, aber - speziell bei Aktienfonds - eine Regel: Mindestens zehn Jahre lang behalten, damit das Geld "arbeiten" kann. Bei Aktienfonds sollte dann eine Performance zwischen acht bis zehn Prozent möglich sein.

Betriebliche Vorsorge

Nicht zu vergessen die betriebliche Vorsorge: In vielen Firmen wird Sie als Benefit angeboten. In diesem Fall heißt es zugreifen, da sie steuerlich begünstigt ist.

Die private Vorsorge kann im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung als Sonderausgabe abgesetzt werden - aber nur, wenn eine verbindliche Rentenklausel enthalten ist (Verzicht auf Kapitalauszahlung). Sollte am Ende der Laufzeit anders entschieden werden und der Kapitalbetrag gesamt ausgezahlt werden, so fordert das Finanzamt die hierfür genossenen Steuervorteile zurück. (Sigrid Schamall)

  • Um auch im Alter "flüssig" zu sein, wird Eigenvorsorge immer wichtiger.
    foto: sigrid schamall

    Um auch im Alter "flüssig" zu sein, wird Eigenvorsorge immer wichtiger.

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