Dr. Copy & Paste

13. Juli 2007, 11:31
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Erstmals scheint es auch in der Scientific Community Zivilcourage zu geben

Erst Salzburg, jetzt Klagenfurt. Angezeigte Plagiatsfälle an anderen Unis werden folgen. Hoffentlich. Denn erstmals scheint in der Scientific Community genügend Zivilcourage vorhanden zu sein, um diesen geistigen Diebstahl und wissenschaftlichen Betrug auch öffentlich anzuprangern, betroffene akademische Einrichtungen so zum Handeln zu zwingen.

Plagiarismus ist so alt wie die Wissenschaft. Die Voraussetzungen freilich sind heute anders. Schüler saugen Referate und Hausaufgaben aus dem Internet, Studierende bestellen Diplomarbeiten und Dissertationen über das Netz. Wem das zu teuer ist, der blättert am Bildschirm durch unzählige Papers: copy and paste und fertig. Abgeben, hoffen, dass es niemand merkt , dann den akademischen Titel abholen. Danke. Diese Chance ist an heutigen Massen-Unis, an denen zu wenig Professoren mit zu vielen Arbeiten überschüttet und überfordert werden, groß.

Es passiert

Nicht, dass dies die Regel wäre. Im Gegenteil. Aber es passiert. Manchmal unabsichtlich: Viele Studierende, wahrscheinlich auch Lehrende, haben keine Ahnung, wie man richtig zitiert, Quellen angibt. Ein universitäres Versagen. Und wenn im neid- und konkurrenzzerfressenen Wissenschaftsbetrieb ("publish or perish", veröffentliche oder verrecke) Professoren sich von Studierenden Studien erarbeiten lassen und sich dann als Erstautoren darstellen, lehrt dies auch nicht gerade wissenschaftliche Redlichkeit. Doch reden wollte darüber lange niemand - nicht öffentlich. Reputationen standen auf dem Spiel. Von Unis wie von Plagiierten, auch von Fördereinrichtungen, die aufgrund von Plagiaten Steuergelder fließen ließen.

Jetzt wird öffentlich gemacht, es fruchtet: Die Uni Klagenfurt will eine Kontrollstelle einrichten, Arbeiten der vergangenen fünf Jahre prüfen. Andere brauchen noch etwas Nachhilfe. (Andreas Feiertag, DER STANDARD, Printausgabe 11./12.11.2006)

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