"Geben Sie Ihren Lesern die Möglichkeit, sich als Star zu fühlen"

23. November 2006, 19:03
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Interaktive Websites als Überlebensstrategie der Zeitungen - Internetverleger Cauthorn auf IFRA-Zeitungskonferenz

Das Internet wird für das Überleben der Zeitungen immer wichtiger, ist der US-Internetverleger Robert Cauthorn überzeugt. Auf interaktiven Websites, die für jeden Verlag ein unumgängliches Muss sind, gelte es, dem Leser eine Stimme zu geben. Redakteure dürften nicht mehr wie bisher als Themenleader fungieren, sondern vielmehr die Leser dazu bringen, selbst Kommentare und Inhalte online zu stellen, so Cauthorn bei seinem flammenden Internet-Plädoyer im Rahmen der von der Medientechnologie-Organisation IFRA veranstalteten Electronic-Publishing-Konferenz "Beyond the Printed Word" in Wien.

"Ego der Leute schmeicheln"

"Wir müssen dem Ego der Leute schmeicheln. Geben Sie Ihren Lesern die Möglichkeit, sich als Star zu fühlen, geben Sie ihnen eine Stimme und versuchen Sie, herauszufinden, was sich in der Lesergemeinschaft abspielt", forderte Cauthorn.

Vorbild digg.com

Als Vorbild für die künftige Überlebensstrategie der Verlagshäuser nannte der Amerikaner die User-bestimmte Website digg.com, die sich bei ihrem Start das Ziel gesetzt hatte, die Internetseite der New York Times in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen. Innerhalb weniger Jahre habe digg.com, das von nur etwa zwei Dutzend Mitarbeitern bearbeitet wird, die NYT mittlerweile tatsächlich überholt, berichtete Cauthorn.

Qualitätskontrolle durch Community

Das Erfolgskonzept: Fragen, was der Leser denkt. Auf digg.com können die Leser zum Beispiel die Reihung der Artikel selbst bestimmen, indem sie für den ihrer Meinung nach Interessantesten ihre Stimme abgeben. Freilich können die Leser auch selbst Inhalte, Videos und Fotos online stellen und sich darüber austauschen. Für die inhaltliche Qualitätskontrolle würde dabei wiederum die Community sorgen, die Ausreißer gnadenlos ausschließen würde, so Cauthorn.

Geographisch zugeschnittene Lokalnachrichten

Der Internetverleger geht selbst in etwa zehn Tagen mit einer neuen Website citytools.net in den USA und in Folge auch in Kanada und Australien online. Hier muss sich der Leser per Postleitzahl einloggen und erhält unmittelbar die auf ihn geographisch zugeschnittenen Lokalnachrichten. Nach dem Vorbild von digg.com wird es auch bei citytools die Möglichkeit der Themenabstimmung geben, es wird die technische Möglichkeit geben, ähnlich wie bei Yahoo Teams und Gruppen zu gründen und es soll Themen-Listen geben, etwa zu "Die besten Horrorfilme" oder "Die größten Probleme meiner Stadt". "Nur wer derartige interaktive Angebote zur Verfügung stellt wird gewinnen, alle anderen werden verlieren", schloss Cauthorn. (APA)

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