ÖBB bestellen 40 Railjet-Fernzüge

19. November 2006, 17:40
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Der neuerliche Auftrags­wert wird auf 450 Millionen Euro ge­schätzt, die Produktion der ersten 23 Züge sichert 200 Jobs - Neun Railjets sollen Ende 2008 im Einsatz sein

Wien - Die ÖBB werden demnächst 40 weitere neue Railjet-Fernverkehrszüge bei Siemens bestellen. Eine entsprechende Option haben die Bundesbahnen bereits bei der Bestellung der ersten 23 Garnituren vereinbart. Derzeit arbeiteten die ÖBB an den Vorbereitungen, diese Option zu ziehen. "Ich denke aber, es wird nicht mehr allzu lang dauern", sagte Huber am Montag am Rande des Produktionsstart des hochmodernen neuen Zugtyps in Wien vor Journalisten.

Der Wert des Folgeauftrags wird von Beobachtern auf rund 450 Mio. Euro geschätzt. Für die ersten 23 Züge zahlen die ÖBB 243,5 Mio. Euro, der Kaufpreis für die weiteren 40 Züge ist - abgesehen von einer geringfügigen Inflationsanpassung - im Rahmen der Option bereits fix vereinbart worden. Die ÖBB wollen die Ausgaben zum Großteil aus der eigenen Tasche finanzieren, der Rest soll über Kredite des internationalen Bahnfinanzierers Eurofima gedeckt werden.

"Wenn die ÖBB die weiteren 40 Züge bestellen, werden wir ein riesen Fest veranstalten", sagte Siemens-Generaldirektorin Brigitte Ederer beim Produktionsstart. Der Bau der neuen Züge sichert derzeit bereits rund 200 Jobs in Österreich - 60 davon bei Siemens in Wien und Graz, 50 bei Zulieferern und 100 in den Fertigungshallen der ÖBB, die Teile der Endmontage übernehmen. Dazu kommen noch 40 weitere Jobs bei Siemens Slowenien. Je nach Auftragsdauer wären diese Jobs durch einen Folgevertrag über Jahre abgesichert, oder der Personalstand müsse vorübergehend noch weiter aufgestockt werden, sagte Ederer am Rande der Veranstaltung.

Von den bereits georderten Zügen soll der ersten Anfang 2008 vom Band laufen und die Testfahrten aufnehmen. Bis Ende 2008 sollen dann neun Railjets im Linienverkehr der ÖBB unterwegs sein, erklärte Personen-Verkehrsvorstand Stefan Wehinger am Montag. Wehinger bezeichnete den Kaufpreis als "sehr gut und marktgerecht". Das Projekt werde sich "insgesamt rechnen", versicherte er.

Bistro an Bord

Unterwegs sein sollen die Züge zunächst zwischen Budapest und München. Die Fahrzeit Wien-Salzburg soll mit den neuen Garnituren, die übrigens auch ein bordeigenes Bistro haben werden, nur noch 2 Stunden betragen. "Für österreichische Verhältnisse lässt sich der Zug als Hochgeschwindigkeitszug bezeichnen", sagte Bahn-Chef Huber. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Mehr sei auf Grund der topographischen Lage des Landes nicht drinnen. Entscheidend sei aber vor allem der Komfort und die Pünktlichkeit.

Für die ÖBB ist die Zugs-Bestellung die erste im Fernverkehr seit 17 Jahren. "Hier ist in den vergangenen Jahren sicher einiges versäumt worden", gestand der Bahn-Chef ein. Mit den neuen Zügen will die Bahn vom privaten Auto-Verkehr, aber auch von den Fluglinien wieder Passagiere zurückgewinnen. "Wir sind überzeugt, dass wir mit den neuen Zügen auch neue Kundensegmente vor allem im Bereich der Geschäftskunden gewinnen können", sagte Huber. Und: "Ich bin überzeugt, dass der Kollege (AUA-Chef Alfred) Ötsch die Flüge Linz-Wien bis 2012 sicher einstellen wird." (APA)

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    foto: standard/öbb/gary pippan
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