"Taxi Orange":

4. Juli 2000, 19:13

Brüderchen ORF startet Reality-Format - ohne Container, aber bitte "mit Ganzkörperfoto"

Ohne "hirn- und herzlosen Container", betont ORF-General Gerhard Weis, feilt der ORF an einem Reality-Format, bei dem uns trotzdem einiges an "Big Brother" erinnert. Zum Beispiel (ab 16. September) "täglich im Hauptabend von ORF 1 und 24 Stunden im Internet".

Themenstellung laut ORF, die wir gerne unüberarbeitet wiedergeben: "Sechs Frauen, sechs Männer, vier Taxis, ein Haus - Überleben im Großstadtdschungel Wiens. Nach "Expedition Robinson" die ultimative Herausforderung für zwölf junge Menschen, die sich 72 Tage lang auf ein gewagtes Abenteuer einlassen, gemeinsam leben - und gemeinsam arbeiten. Sie gründen ein kleines Taxiunternehmen. Mit vier orangefarbenen Taxis werden sie im Schichtdienst ihren Unterhalt bestreiten. Was am Ende eines Tages am Taxameter steht, muß der Crew zum Leben reichen. Und die ORF-ZuschauerInnen sind live dabei." (...)

Aufregend, lustig, erotisch...

"Taxi Orange" soll zeigen, "daß Reality-TV keinesfalls langweilig sein muß", lässt der Küniglberg verlauten: "Schließlich weiß man spätestens seit Jim Jarmuschs Episodenfilm "Night on Earth", wie aufregend, abenteuerlich, lustig - und erotisch Taxifahren sein kann."

"Mit "Taxi Orange" wagen sich nicht nur die KandidatInnen, sondern auch der ORF auf neues Terrain", räumt man auf dem Küniglberg ein. Und da erinnern wir uns plötzlich doch wieder ein wenig an "Big Brother": "Jede Woche bestimmen die ORF-ZuschauerInnen in der KandidatInnen-Sympathie-Wahl, wer der beliebteste, geschickteste, smarteste, charmanteste Taxler oder Taxlerin im Haus ist. Er oder sie hat anschließend das Recht - und die Qual - einen Mitbewohner zu nennen, der das Haus verlassen muß. Dem Sieger winkt neben einer besonderen Lebenserfahrung eine Million Schilling."

Nicht ganz unbekannt kommt uns auch der Aufteilung vor: "Montag bis Freitag steht eine 45minütige Zusammenfassung mit den Highlights aus den Autos und dem Haus auf dem Programm, am Samstag das 90minütige "Taxi Orange"-Wochenfinale: mit den Höhepunkten der ganzen Woche, interessanten Talk-Gästen, Taxi-Passagieren und der KandidatInnen-Sympathie-Wahl."

Der General persönlich

Ungewöhnlicherweise schickte ORF-General Gerhard Weis selbst der "Taxi"-Aussendung ein eigenes Statement nach - vielleicht hat sich auf dem Küniglberg noch jemand erinnert gefühlt. "Mit der von der Programmintendanz entwickelten neuen Sendereihe wollen wir vor allem das jüngere Publikum unterhalten, gleichzeitig aber einen ganz bewußten Kontrapunkt zu Reality-TV-Auswüchsen der Kommerziellen setzen. In 'Taxi Orange' geht es nicht um einen hirn- und herzlosen Container, in dem Menschen zusammengepfercht werden, sondern um junge Leute, die unternehmerische Fähigkeiten, Leistungsbereitschaft, Durchsetzungsvermögen, aber auch Teamfähigkeit beweisen müssen; Eigenschaften, die in der heutigen Gesellschaft vor allem bei den Jungen gefördert und unterstützt werden sollten. Ich bin davon überzeugt, daß 'Taxi Orange' einen Mehrwert im Herbst-Programmangebot des ORF, speziell für die jüngere Zielgruppe, darstellt."

KandidatInnenkörper gesucht

Tja, uns bleibt nur noch darauf hinzuweisen, dass der ORF für "Taxi Orange" KandidatInnen ab 21 Jahren, tunlichst FührerscheinbesitzerInnen und unfallfrei sucht. Übrigens mit "Ganzkörperfoto", angezogen müsste eigentlich reichen, denken wir. (fid/etat.at)

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