Kultur des Friedens entwickeln

13. Juli 2007, 12:28
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Wissenschafterinnen im STANDARD-Interview über den Nutzen der Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Uni Klagenfurt

An der Uni Klagenfurt wurde ein Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik eingerichtet. Was wird erforscht und gelehrt? Was kann Friedensforschung bewirken? Darüber sprach Josef Schneeweiß mit den Wissenschafterinnen Brigitte Hipfl und Bettina Gruber.

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Standard: Professor Hipfl, was hat Sie als Medienwissenschafterin bewogen, für das Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik zu wirken?

Hipfl: Die Friedensforschung ist daran interessiert, eine Kultur des Friedens zu entwickeln. Und da die Medien eine zentrale Rolle in Gesellschaft und Kultur spielen, war es mir ein Anliegen, zu schauen, welchen Beitrag sie dazu leisten. Der Friedensforscher Johann Galton fordert, dass die Medien nicht nur über Kriege, sondern auch über Frieden berichten sollten. So haben etwa Frauen immer wieder Friedensinitiativen gesetzt, von denen kaum wer weiß. Daher wurde in Bern der Verein "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" gegründet. Das hat mich interessiert.

Standard: Was sind die Ziele des Zentrums für Friedensforschung?

Gruber: Wir machen interdisziplinäre Friedensforschung, bei der Philosophie und Medienkommunikation integriert sind. Unsere Vision ist die Entwicklung eines eigenen Doktoratstudiums. An dritter Stelle steht die regionale und internationale Vernetzung mit Partnern. Auch wollen wir uns mit der katholischen Hochschülerschaft und Kirche sowie der evangelischen Jugend vernetzen, gemeinsam Projekte durchführen. Standard: Manche Religionen sprechen in Friedenszeiten vom Frieden und segnen in Kriegszeiten Waffen. Welches Verhältnis hat Ihre Institution dazu?

Hipfl: Zentral ist der Versuch, gewaltfreie Konfliktbewältigungsformen zu finden. Dass man sich mit Religionen auseinandersetzen muss, zeigen allein die Diskussionen über die Karikaturen. Auf Basis einer Erforschung der kulturellen Dimension müssten Ansatzpunkte für gewaltfreie Lösungen gefunden werden.

Standard: Friedensforscher in den USA und in Israel konnten weder einen Irak-Krieg noch den Libanon-Angriff verhindern. Welchen Effekt hat die Friedensforschung?

Hipfl: Die Friedensforschung soll im Rahmen der Friedenspädagogik in den Schulen beginnen. Hintergründe zu Konflikten sollten thematisiert und verständlich dargelegt werden. Mittlerweile gibt es als Mediatoren ausgebildete SchülerInnen in dem Bereich.

Gruber: Wenn man weltweit die Ausgaben für Rüstung und Friedensinitiativen vergleicht, erklärt sich das von selbst. Standard: Welche Projekte laufen zurzeit?

Hipfl: Aktuell läuft das Begleitforschungsprojekt zu den "1000 Frauen". Wir wollen das Verhältnis von Frauen und Frieden besser kennen lernen, machen Öffentlichkeitsarbeit und beobachten die Friedensberichterstattung. Weiters geht es um Migrantinnen in Kärnten und deren rechtliche Situation, um Frauenhandel und Prostitution. Geplant ist ein EU-Projekt für den Alpen-Adria-Raum, nämlich ein Lehrgang zum Thema Peace Education and Human Rights.

Gruber: Wir organisieren Veranstaltungen für Lehrkräfte und kriegstraumatisierte Kinder. So etwa haben wir verfeindete Schulklassen aus Mostar (Bosnien) zusammen mit Schulklassen aus Osteuropa eingeladen. In Diskussionen auf neutralem Boden wurde das Eis gebrochen. (DER STANDARD Printausgabe, 4./5. November 2006)

Zur Person
Brigitte Hipfl ist Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt sowie Leiterin des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik.

Bettina Gruber leitet die Koordinationsstelle des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik.

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    Es sei eine Bringschuld der Medien, nicht nur über den Krieg, sondern auch über den Frieden zu berichten, so Expertinnen.

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