Experten warnen vor Dominanz des Englischen im Internet

13. November 2006, 10:36
357 Postings

Jahrtausende altes Wissen könne verloren gehen - "Jedes Mal, wenn eine Sprache stirbt, verschwindet eine Vision"

Die Teilnehmer des in Griechenland tagenden UN-Internet-Forums haben am Mittwoch vor der Dominanz des Englischen im Internet gewarnt. Der vorherrschende Gebrauch des Englischen im World Wide Web könne dazu führen, dass Jahrtausende altes Kulturwissen verloren gehe, sagten einige der mehr als tausend Experten aus 90 Staaten, die in Vouliagmeni bei Athen tagten.

90 Prozent nicht vertreten

Rund 90 Prozent der 6.000 benutzten Sprachen seien im Internet nicht vertreten, sagte der Japaner Yoshinori Imai. Die Menschen, die solche Sprachen nutzten, würden in einer Wüste ohne Information und Wissen gelassen. Die Sprachgewohnheiten und das kulturelle Wissen aus Ländern wie Kolumbien und Senegal, die für Bildung und Wissenschaft genutzt werden könnten, würden niemals eine weitere Verbreitung finden. Das könne zum Aussterben von Sprachen führen.

"Jedes Mal, wenn eine Sprache stirbt, verschwindet eine Vision von der Welt"

"Jedes Mal, wenn eine Sprache stirbt, verschwindet eine Vision von der Welt", sagte Adama Samassekou, Präsident der Afrikanischen Akademie für Sprachen in Mali. Wenn versucht werde, nicht-englischsprachige Internetseiten zu bauen, hätten die Nutzer in vielen Ländern Probleme mit der Programmiersprache HTML, die weitgehend englisch-basiert sei, sagte Bernard Benhamou vom Institut für Politische Wissenschaften in Paris. "Ein großer Teil der Welt bleibt ohne Stimme, weil er an den Informationen nicht teilhaben kann", kritisierte Samassekou.

"Spam"

Bei dem viertägigen Forum unter Schirmherrschaft der UNO geht es unter anderem um Schutzvorkehrungen gegen Internet-Betrüger, den freien Zugang zum Web für Bürger rund um die Welt und die Eindämmung von "Spam", der zur Plage des Web gewordenen Flut von unerwünschten Werbe-Mails. An der Konferenz nehmen neben Vertretern von Regierungen, internationalen Organisationen und Konzernen wie Microsoft, Google oder Yahoo auch Wissenschafter und Menschenrechtsaktivisten teil.(APA)

  • Artikelbild
Share if you care.