Blaue Kornblume in FPÖ-Revers: ORF.at ortet Anklänge an "illegale NSDAPler"

3. November 2006, 09:57
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FPÖ will sich von "wild gewordenen Redakteuren nicht ins Nazi-Eck rücken" lassen und kündigt rechtliche Schritte an

Einmal mehr sorgt ein botanisch harmloses Gewächs für Erregung: Es geht um die blaue Kornblume, mit der sich die neu angelobten Nationalratsabgeordneten der FPÖ anlässlich der konstituierenden Sitzung am Montag "schmückten". ORF ON ortete "Anklänge an illegale NSDAPler" und titelte einen Bericht auf der Homepage von ORF.at mit "FPÖ mit dem Symbol der illegalen Nazis". Die Empörung der FPÖ folgte postwendend: Generalsekretär Harald Vilimsky kündigte rechtliche Schritte sowie die Einbringung einer "Protestnote" an den designierten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz an.

"Symbolischer Tabubruch"

Die Online-Redaktion des ORF schrieb, die FPÖ benütze ihr Comeback im Hohen Haus für einen "symbolischen Tabubruch". Die blaue Kornblume war in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hier zu Lande das Erkennungszeichen für illegale Nationalsozialisten, hieß es in dem Artikel. Das Symbol der Kornblume gehe auf das Jahr 1800 zurück und war Symbol der Freiheitsbewegung von 1848, hielt Vilimsky entgegen. Die FPÖ stehe in politischer Tradition des Jahres 1848 und lasse sich "von einzelnen, offensichtlich wild gewordenen Redakteuren nicht in das Nazi-Eck rücken", entrüstete sich der Freiheitliche Generalsekretär in einer Aussendung.

Rechtliches Nachspiel angedroht

"Diese Vorgangsweise der ORF-Online-Redaktion ist schier unglaublich und wird ein gehöriges Nachspiel haben." Die FPÖ will nun gegen die Online-Redaktion ihre Rechtsanwälte sowie ihre Vertreter im ORF-Stiftungs- und -Publikumsrat einschalten und eine Protestnote an den designierten ORF-Generaldirektor einbringen. Unmittelbar nach der Aussendung der FPÖ hat ORF.at übrigens den Titel des Artikels in "FPÖ mit Symbol der Deutschnationalen" abgeändert.

Ein Polit-Streit um das blaue Ackergewächs erregte bereits vor mehr als zehn Jahren die Gemüter, als der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (S) eine Prüfung nach dem NS-Verbotsgesetz anordnete, nachdem ein Teil der freiheitlichen Gemeinderäte anlässlich der Angelobung eines neuen FPÖ-Gemeinderates mit blauer Kornblume im Knopfloch erschienen war. (APA)

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