Wenn Kinder am Lebensende stehen

1. November 2006, 18:13
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Der Verein Netz betreut todkranke Kinder und setzt sich für eine eigene Kinderhospiz ein

"Wir wollen das Tabu um das Sterben von Kindern lösen", schreibt der Verein Netz auf seiner Homepage. Die im Oktober 2005 gegründete Plattform widmet sich der Sterbebegleitung von Kindern und Jugendlichen, einem hier zu Lande wenig beachteten Thema.

"Es ist uns wichtig, dass Kinder, die am Lebensende stehen oder chronisch erkrankt sind, möglichst viel Zeit zu Hause verbringen können", beschreibt Mitbegründerin Sabine Reisinger die Grundintention des Vereins. "Vor allem sollen die Kinder zu Hause, im Kreis der Familie, sterben können." Denn gerade für junge Menschen ist die Isolation durch lange Spitalsaufenthalte schwer zu ertragen. "Wenn Heilung nicht mehr möglich ist und die Behandlung nicht mehr im Vordergrund steht, geht es um Schmerzfreiheit und Lebensqualität", will Reisinger mehr Bewusstsein für Kinderhospiz schaffen, welche die Eltern und auch die Geschwister miteinbezieht.

Professionelle Rund-um-die-Uhr-Betreuung

Deshalb bietet der Verein Netz in Kooperation mit dem Verein Mobile Kinderkrankenpflege (Moki) den Eltern todkranker Kinder ein Netzwerk an Personen, die sich um eine professionelle Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause kümmern und die Eltern bis zur Abschiednahme unterstützen - kostenfrei. "Die Eltern haben ohnehin einen oft langen und teuren Leidensweg. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist daher Fundraising und die Suche nach Geldgebern", schildert Reisinger.

Die Lebensberaterin weiß, wovon sie spricht: Ihr eigenes Kind starb nur 66 Tage nach der Geburt. Seither betreut sie in ihrer Praxis Eltern, die durch den Tod eines Kindes zu "Waisen" wurden.

Der gemeinsam mit einer Ärztin und einer Heilpädagogin gegründete Verein setzt sich auch für den Aufbau einer institutionellen Kinderhospiz ein: Im Gegensatz zu England, Deutschland oder vielen osteuropäischen Staaten gebe es in österreichischen Spitälern keine eigenen Stationen für Kinderpalliativmedizin, erläutert Reisinger. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, ob eine solche Einrichtung in den nächsten fünf Jahren in Wien umsetzbar ist. (Karin Krichmayr/DER STANDARD; Printausgabe, 30.10.2006)

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