"Bildung für alle" würde nur neun Milliarden Euro jährlich kosten

6. November 2006, 13:39
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Welt-Bildungsbericht: UNESCO mahnt zu Förderung von Kindern im Vorschulalter - Langsame Fortschritte sind zu verzeichnen

Paris/New York - Kinder im Vorschulalter werden laut der UN-Bildungsorganisation UNESCO in vielen Regionen der Welt noch nicht ausreichend gefördert. In den arabischen Ländern würden nur 16 Prozent der Kinder vor dem Erreichen des Grundschulalters gefördert, in Afrika südlich der Sahara sogar nur zwölf Prozent, mahnt der Weltbildungsbericht 2007 der Organisation.

Der Direktor des Berichts, Nicholas Burnett, machte auf den Zusammenhang zwischen fehlender frühkindlicher Förderung und hoher Kindersterblichkeitsrate aufmerksam. Jährlich sterben weltweit mehr als zehn Millionen Kinder im Alter von unter fünf Jahren, erklärte er. "Umfassende Förderprogramme, die auf Ernährung, Gesundheit, Pflege und Bildung abstellen, könnten hier viel bewirken."

Zwischenbilanz

Gründe für den fehlenden Zugang zu Bildung im Kleinkindalter seien vielfach Armut, das Aufwachsen auf dem Land, Behinderung oder Unterernährung, heißt es in dem Bericht. Er zieht eine Zwischenbilanz nach dem Weltbildungsforum in Dakar 2000, bei dem sich 164 Länder verpflichteten, bis 2015 sechs Bildungsziele zu erreichen. Neben der Förderung von Kindern bis zum Grundschulalter, die in diesem Jahr Schwerpunkt ist, bewertet der Bericht auch die Umsetzung der anderen damals vereinbarten Ziele, darunter Lernangebote für Jugendliche und Bildungsqualität.

Fortschritte gebe es besonders bei der Grundschulbildung für alle, erklärte die UNESCO. So stieg die Einschulungsrate dem Bericht zufolge von 83 Prozent im Jahr 1999 auf 86 Prozent 2004. Das südliche Afrika sowie Süd- und Westasien, also die Regionen mit den geringsten Einschulungsraten, verbuchten die größten Zuwächse. Weltweit sei die Zahl der Kinder im Grundschulalter, die keine Schule besuchten, innerhalb von fünf Jahren um 21 Millionen auf 77 Millionen gesunken.

Die gestiegenen Einschulungsraten kamen dem Bericht zufolge auch dem Ziel der Gleichberechtigung der Geschlechter bei der Bildung zugute. 2004 standen demnach weltweit 94 eingeschulte Mädchen 100 eingeschulten Buben gegenüber, 1992 waren es nur 92. Von 181 Ländern hätten zwei Drittel Gleichberechtigung in der Grundschulbildung erreicht. In den meisten Ländern mit niedriger Einschulungsrate, insbesondere in Afghanistan, im Tschad und in Pakistan, bestehe das Geschlechtergefälle jedoch fort.

Jährlich neun Milliarden Euro

Die UNESCO wies darauf hin, dass immer noch 781 Millionen Erwachsene, und damit jeder Fünfte weltweit, nicht lesen und schreiben können. Ohne Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft und nationaler Regierungen werde die Zahl der Analphabeten bis 2015 nur um 100 Millionen sinken. Schätzungen zufolge wären jährlich elf Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) und damit mehr als das Dreifache der bisher zugesagten Mittel notwendig, um das Ziel "Bildung für alle" zu erreichen. (APA)

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    Eine Schülerin in einer Schule in Herat, Afghanistan. Die UNESCO schätzt, dass nur 51,9 Prozent der männlichen Einwohner Afghanistans über 15 und 21,9 Prozent der Frauen in der selben Altersklasse Lesen und Schreiben können.

  • UNESCO-Weltbericht "Bildung für alle" 2006

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