Raiffeisen International kämpft sich in Tschechien bergan

14. November 2006, 15:43
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RI hat den Kauf der Prager E-Banka unter Dach und Fach. Mit ihr und ihren vielen Privatkunden will man den schwierigen Aufholprozess in Tschechien beginnen

Prag - Raiffeisen International (RI), die börsennotierte Ostbanken-Holding des Raiffeisen-Sektors, hat am Mittwoch den Kauf der Tschechischen E-Banka perfekt gemacht.

Um 130 Millionen Euro haben die Raiffeisen-Banker die im Jahr 1997 gegründete erste Direktbank Tschechiens gekauft - und können mit dieser Akquisition ihren Retail-Kundenstock in Tschechien um 70 Prozent auf rund 300.000 erhöhen. Genau darum geht es den Bankern, die seit 1993 mit ihrer Raiffeisenbank im Lande sind und mit der sie hauptsächlich im Corporate-Geschäft (Geschäft mit Unternehmen) aktiv waren, 50 Filialen hatten und zuletzt eine Bilanzsumme von 2,8 Mrd. Euro. Die tschechische Raiffeisenbank gehört zu 51 Prozent RI, der Rest den Raiffeisen Landesbanken Oberösterreich und Niederösterreich.

Gemeinsam werden die beiden Prager Banken - die Fusion soll im Jahr 2008 über die Bühne gehen - 3,3 Prozent Marktanteil haben und die sechstgrößte Bank Tschechiens sein. Das Ziel von RI-Chef Herbert Stepic, wie er es am Mittwoch in einem Pressegespräch formulierte: "Wir wollen so bald wie möglich die Nummer fünf am Markt werden, peilen bis Ende 2009 rund 400.000 Retail-Kunden an und wollen unseren Marktanteil in bestimmten Produktsegmenten des Retail- und Corporate-Geschäfts auf zehn Prozent erhöhen."

Die Prager E-Banka, die Raiffeisen International der größten tschechischen Versicherungsgesellschaft, Ceska Pojistovna, abgekauft hat, ist das zehnte Institut, das RI seit dem Jahr 2000 gekauft hat. Jüngste Erwerbungen waren im Vorjahr die zweitgrößte ukrainische Bank Aval, die RI um mehr als eine Milliarde Dollar erworben hat. Heuer hat sie die russische Impex-Bank gekauft. Insgesamt steht die Ostbanken-Holding (RI gehört zu 70 Prozent der Raiffeisen Zentralbank RZB, der Rest steht in Streubesitz) derzeit bei einem Stand von elf Millionen Retail-Kunden in insgesamt 16 Ländern; bis 2008 sollen es 15 Millionen sein, wie Stepic in Prag erzählte.

Dass RI in Tschechien unter "ferner liefen" rangiert, erklärt sich aus dem Faktum, dass der dortige Bankenmarkt in sehr festen Händen ist und RI erst spät einstieg. Die drei größten Banken (hinter denen KBC, Erste Bank und Société Générale stehen) haben sich rund 65 Prozent des Markts gesichert; die Konkurrenz kann nur schrittchenweise aufholen. Stepic: "Der Kampf bergauf ist sehr schwierig." Man setzt vor allem auf die steigende Kaufkraft der Tschechen und hofft auf deren Spendierfreude auf Pump: Im Vorjahr sind die Privatkredite um 41 Prozent gewachsen, die Prognosen gehen (bis 2010) von jährlichen Steigerungen um 19 Prozent aus.

Keinen Zweifel ließ Stepic daran, dass es in der tschechischen Bank zu kräftigen Effizienzsteigerungen kommen muss. Die Cost-Income-Ratio (Verhältnis Kosten/Ertrag) liegt in der E-Banka bei 92,4 Prozent; die entsprechende Zielgröße liegt bei unter 60 Prozent.

Die Einkaufslust der Wiener ist mit der E-Banka natürlich nicht befriedigt; als Nächstes wartet Stepic die Entwicklungen in Polen ab. (Renate Graber, Prag, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.10.2006)

  • Mit der E-Banka holt sich RI Privatkunden und hofft auf deren Lust auf Kredite.
    foto: standard/rzb

    Mit der E-Banka holt sich RI Privatkunden und hofft auf deren Lust auf Kredite.

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