Es ist wieder früher

29. Oktober 2006, 02:58
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Zusätzliche Stunde - Früher nahm man es damit nicht so genau

Wien - Eine Stunde auf oder ab: Was heute morgen mit der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit eine weltbewegende Sache ist, das fiel vor einigen hundert Jahren nicht so sehr ins Gewicht. Dabei lag es nicht an den fehlenden Uhren, wie das Meisterwerk von Philipp Immser beweist, das heute im Technischen Museum in Wien zu bewundern ist.

Gewonnene Stunde

Vielleicht könnte man die gewonnene Stunde am Sonntag - um 3.00 Uhr wurden die Zeiger eine Stunde zurück auf 2.00 Uhr gedreht - dazu benützen, um im Laufe des Tages die astronomische Uhr zu bewundern und dort ein wenig über das Wesen der Zeit zu philosophieren. Dem Professor aus Tübingen war es um 1560 offenbar nicht so wichtig, diese in immer kleinere Bruchteile zu zerlegen, Stunden und Minuten genügten, doch dafür wird die Position der Planeten angezeigt, die Mondphase sowie zahlreiche astrologische Informationen. Und schließlich stellen Figuren den Zyklus des Lebens dar.

Als Fabriken entstanden, stieg das Arbeitstempo und die Menge produzierter Güter, später kam noch die Eisenbahn dazu. All das machte eine viel genauere Zeiteinteilung des Tages auch für Menschen nötig, die sich bisher nur grob am Sonnenstand orientierten. All diese Uhren waren noch rein mechanisch, die Regelung des Zeitablaufs bestimmte ein Pendel oder eine Unruhe. Heute braucht die Wissenschaft besonders genaue Uhren, die die Schwingungen von Atomen zählen ("Atomuhr"). Per Funk wird diese Zeit in die Wohnzimmer gesendet - und beherrscht denn Alltag und Rhythmus der Menschen.

Besonders deutlich wird dies bei der Umstellung auf die Sommerzeit, wenn in der gesamten EU am letzten März-Sonntag an der Uhr gedreht und den Menschen eine Stunde "gestohlen" wird, die es nun - am letzten Sonntag im Oktober - wieder zurück gibt. Eingeführt wurde die Sache 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Hintergrund, Energie zu sparen. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden. Frankreich machte damals den Anfang.

Einführung in Österreich 1979

Österreich beschloss die Einführung erst 1979 wegen verwaltungstechnischer Probleme und weil man eine verkehrstechnische Harmonisierung mit der Schweiz und Deutschland wünschte. Diese beiden Länder führten die Sommerzeit auch erst 1980 ein. Allerdings gab es in der Alpenrepublik bereits im Ersten Weltkrieg schon einmal die Sommerzeit. Im Jahr 1916 galt sie für die Monarchie vom 1. Mai bis 30. September, wurde dann aber wieder eingestellt. Ein zweiter - auf Dauer erfolgloser - Versuch wurde in den Jahren 1940 bis 1948 unternommen.

Für die Elektrotechniker ist die Umstellung eine willkommene Gelegenheit, auf die Wichtigkeit des FI-Schutzschalters hinzuweisen und dessen Überprüfung zu propagieren. Ist dieser defekt, bestünde in den betroffenen Haushalten latente Brand- und Lebensgefahr. (APA)

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