Stichwort: Die Erweiterung des Panamakanals

23. Oktober 2006, 17:13
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Moderne Containerschiffe zu groß - Kritiker befürchten Umweltschäden

Panama-Stadt - Die Einwohner Panamas waren am Sonntag aufgerufen, über die geplante Erweiterung des Panamakanals abzustimmen. Viele neue Containerschiffe sind zu groß, um durch die Schleusen der für die Weltwirtschaft sehr wichtigen Verbindung zwischen Karibik und Pazifik zu fahren. Deshalb hat Staatspräsident Martin Torrijos den Bau breiterer Schleusen vorgeschlagen. Hier einige Fakten zu dem Projekt und dem Panamakanal.

  • DIE BEDEUTUNG DES KANALS

    Durch den Kanal transportieren jedes Jahr rund 14.000 Schiffe insgesamt fünf Prozent der Waren, die weltweit gehandelt werden. Die meisten Schiffe fahren zwischen der Ostküste der USA und China über den Panamakanal. Die Alternative wäre ein gigantischer Umweg: die gefährliche Route um Kap Hoorn an der Südspitze Lateinamerikas. Von Los Angeles nach New York ist ein Schiff auf dieser Route Wochen unterwegs. Die durchschnittliche Kanaldurchfahrt dauerte im vergangenen Jahr nur 24,6 Stunden. Dafür müssen die Reedereien Gebühren zahlen.

  • DER KANAL WIRD ZU ENG

    Der 82 Kilometer lange Kanal liegt in seinem Mittelteil 26 Meter über dem Meeresspiegel. Deshalb müssen die Schiffe in jeweils drei Schleusenanlagen angehoben oder abgesenkt werden. Doch die Kammern sind nur 34 Meter breit und 305 Meter lang. Dort passen vor allem Containerschiffe der so genannten Post-Panamax-Klasse nicht mehr hinein. Viele Reeder bestehen aber auf so großen Fahrzeugen, weil sich mit ihnen die Kosten pro transportierter Tonne senken lassen. Deshalb will Präsident Torrijos nun Schleusen mit 55 Meter Breite und 427 Meter Länge bauen lassen.

  • VOLKSABSTIMMUNG ENTSCHEIDET

    Präsident Torrijos' Plan zum Bau neuer Schleusen muss vom Parlament verabschiedet werden, in dem die regierende Demokratische Partei die Mehrheit hat. Entscheidend ist aber eine Volksabstimmung.

  • GEGENARGUMENTE

    Bei den Panamaern ist das Projekt umstritten. Viele sind der Meinung, das 5,25 Milliarden Dollar teure Vorhaben koste die Gesellschaft nur Geld. Von den Gewinnen profitiere lediglich eine Minderheit. 37 Prozent der drei Millionen Panamaer leben dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zufolge unterhalb der Armutsgrenze. Zudem warnen die Kritiker vor Umweltschäden durch die Erweiterung und sozialen Folgen, wenn Bauern von ihrem Land vertrieben würden.

  • ARGUMENTE DER BEFÜRWORTER

    Torrijos versicherte Anfang März jedoch vor dem Parlament, dass für die Schleusen keine neue Flutungen nötig seien. Er argumentiert, dass der Kanal als wichtigster Wirtschaftsfaktor Panamas international wettbewerbsfähig bleiben müsse. Von den Einnahmen - 1,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr - seien 460 Millionen Dollar in staatliche Budgets, etwa für Sozialprogramme gelandet.

  • DIE GESCHICHTE

    Die USA stellten den Kanal im Jahr 1914 fertig. Dafür betrieben sie die Gründung des Staates Panama, dessen Gebiet zuvor zu Kolumbien gehört hatte. Im Gegenzug sicherten sie sich die Kontrolle über die Kanalzone. 1999 übergaben die USA den Kanal an die panamaische Regierung. (APA/Reuters)

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      Stau vor dem Kanal: Die Kapazitäten des Panamakanals reichen nicht mehr aus

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