Kassationsgericht in Rom verweigert Ex-SS-Mann Priebke Freigang

31. Oktober 2006, 12:41
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Rechtsanwalt "empört "- 93-Jähriger wegen Beteiligung an Massaker seit 1999 unter Hausarrest

Rom - Das Kassationsgericht in Rom, die dritte und letzte Instanz im italienischen Strafjustizsystem, hat dem früheren SS-Offizier Erich Priebke einen Freigang verweigert. Somit wurde ein im April gefälltes Urteil des römischen Militärgerichts bestätigt, wonach Häftlingen, die bereits unter Hausarrest stehen, wie im Fall Priebkes, ein Freigang nicht gewährt werden könne. Der 93-jährige Priebke war 1944 an der Tötung von 335 Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen beteiligt. Deswegen war er 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt worden und lebt seit 1999 in Rom unter Hausarrest.

Priebkes Rechtsanwalt Giosue Naso kritisierte den Beschluss des Kassationsgerichts scharf: "Jeden Tag erhalten Hunderte von Häftlingen in Italien Freigang, warum nicht Priebke. Das Gesetz ist in Italien nicht für alle gleich."

Massaker

Der Rechtsanwalt kämpft seit Jahren für die Begnadigung seines Mandanten. Entsprechende Gesuch wurden unter Hinweis auf dessen Alter bereits mehrfach eingebracht, aber stets abgelehnt. Das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen in Rom war eine der blutigsten Gräueltaten der deutschen Wehrmacht in Italien. Es handelte sich um eine Vergeltungsaktion für einen Anschlag italienischer Partisanen auf 33 deutsche Soldaten.

Ein Opfer-Angehöriger hatte auf den "Pilgerstrom" vieler Neonazis zur Wohnung des ehemaligen SS-Offiziers in einem Vorort von Rom hingewiesen. "Für eine Begnadigung müssten die Familienangehörigen der Opfer des Massakers Priebke verzeihen. Ich glaube, dass nicht alle mit der Begnadigung einverstanden wären", meinte der römische Bürgermeister Walter Veltroni kürzlich.

Auch die rechtsextreme Partei "Fiamma Tricolore" kämpft seit Jahren für die Begnadigung des gesundheitlich angeschlagenen Priebke. Der Nazi-Verbrecher war 1994 in Argentinien aufgespürt worden, wo er seit den 50er Jahren unbehelligt gelebt hatte. Seit dem Urteil vor acht Jahren bemühen sich Priebkes Rechtsanwälte um einen Strafnachlass.

"Das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen war für mich eine persönliche Tragödie", sagte Priebke in einem Interview mit dem italienischen Fernsehen RAI vor wenigen Monaten. Das Blutbad sei so schrecklich gewesen, dass er mit den Personen, die sich daran beteiligten, nicht mehr darüber sprechen wollte. "Jeder von uns wollte alles so rasch wie möglich vergessen", so Priebke.

Der Ex-SS-Offizier hatte sich allerdings mehrmals zum Dialog mit den Familienangehörigen der Opfer des Massakers bereit erklärt. "Mit offenen Armen bin ich bereit, mit ihnen zu sprechen und ihnen zuzuhören. Ich werde mein Herz öffnen, wenn notwendig auch über jene Vergangenheit reden, an die ich mich nicht erinnern will", so Priebke. (APA)

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