Das Aquädukt verklinkert

1. November 2006, 18:44
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Hochquellleitungen sollen saniert werden - mit 88.000 Ziegeln und einer höchst raffinierten Methode

Wien – Das Problem ist im Grunde exakt 100 Jahre bekannt: „Schon im Jahre 1906 fand sich die erste Notiz, dass die Aquädukte der 1. Wiener Hochquellleitung von Haar_rissen und Undichtheiten betroffen sind“, weiß der stets _geschichtsaffine Chef der Wiener Wasserwerke, Hans Sailer. Und genauso lange wird nun schon getüftelt, wie man diese Schwachstelle nachhaltig sanieren könnte – schließlich bildeten sich des Winters gelegentlich sogar mächtige und mörderische Eiszapfen an den Rundbögen.

Die Lösung

„Es wurden Fertigteile ausprobiert, teilweise Ausmauerungen – nichts hat wirklich funktioniert“, weiß Sailer. Jetzt hofft man aber, das Problem tatsächlich gelöst zu haben. Bei der Sanierung des Talübergangs in der Liesinger Tullnertalgasse (108 Meter lang und bis zu 14 Meter hoch) wurde eine schon in Mödling erfolgreich eingesetzte Methode angewandt: Erst wurden 15 Zentimeter vom äußeren Mauerwerk mit einem Diamantseil abgeschnitten. Dann wurde ein zwölf Zentimeter starkes Vorblendmauerwerk aufgeziegelt – aber mit sechs Zentimetern Abstand zum Tragwerk.

Die derart gemauerten 88.000 Klinkerziegel im Alt-Wiener Format sind frostbeständig – und sollten sie doch einmal nass werden, sorgen Schlitze dafür, dass der Bau dahinter trocken bleibt. „Diese Methode mussten wir selbst in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt entwickelt“, betont Umweltstadträtin Ulli Sima – „die weltweiten Erfahrungswerte mit einer Wasserversorgung wie in Wien sind ja eher gering.“ 2,4 Millionen Euro mussten in der Tullnertalgasse investiert werden. Kommendes Jahr kommt das noch größere Aquädukt über der Endreßstraße dran. Die geschätzten Kosten: acht Millionen Euro. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 20.10.2006)

  • Das generalsanierte Aquädukt in der Liesinger Tullnertalgasse: Das Mauerwerk ist nun ein schützender Überzieher vor den eigentlichen Stehern
    foto: standard/cremer

    Das generalsanierte Aquädukt in der Liesinger Tullnertalgasse: Das Mauerwerk ist nun ein schützender Überzieher vor den eigentlichen Stehern

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