Unsichtbar wie Harry Potter

30. Oktober 2006, 12:41
21 Postings

Tarnen und Täuschen: US-Forscher basteln an Verfahren, das Objekte unsichtbar macht - Das Militär ist hoch interessiert

Washington/Wien - Ob sich das Forscherteam um David Schurig von der Duke University in Durham (USA) von Joanne Kathleen Rowlings Fantasyroman Harry Potter hat inspirieren lassen, ist unklar. Fest steht jedoch, dass die Wissenschafter an einer Methode basteln, die ähnlich dem Tarnmantel des Zauberlehrlings Harry Potter Dinge unsichtbar machen kann. Und laut einem Bericht des Freitag erschienenen US-Wissenschaftsmagazins Science sind die Forscher damit schon ziemlich weit.

Ein Betrachter kann Dinge sehen, weil Objekte das auf sie auftreffende Licht streuen und teils reflektieren. Dies trifft auf alle Arten von Licht zu, also auch auf Wellenlängen, die für menschliche Augen unsichtbar sind - etwa Mikrowellen. Und genau für solche haben die Physiker nun erstmals Objekte unsichtbar gemacht.

Die Forscher entwickelten dafür einen Tarnring aus Metamaterialien: diese verdanken ihre quasi unsichtbar machenden Eigenschaften nicht ihrer chemischen Zusammensetzung, sondern ihrer speziellen Struktur - und unterscheiden sich darin von allem, was in der Natur vorkommt. Im konkreten Fall besteht der Tarnring aus Lagen von Kupferdraht und Glasfaserfolien, die - das Geheimnis - die auftreffenden Mikrowellen nicht streuen und reflektieren, sondern um sich herumführen. Die elektromagnetische Strahlung bewege sich "wie Wasser, das um einem glatten Stein herumfließt", wird Projektleiter Schurig in Science zitiert.

Mit diesem Tarnring haben die Forscher schon einen Kupfer-Zylinder unsichtbar gemacht - zumindest fast. Noch funktioniert er nur in zwei Dimensionen, also (schnitt-)flächig. Schurig versichert jedoch, dass Prinzip und Technik genug ausgreift seien, um das System auch dreidimensional funktionstüchtig zu machen und damit ganze Gegenstände samt ihren Schatten unsichtbar machen zu können. In absehbarer Zeit sei jedenfalls damit zu rechnen.

Das Militär zahlt

Dafür notwendige Entwicklungskosten dürfte vermutlich das Militär aufbringen, die US-Streitkräfte interessieren sich nämlich heute schon für die Arbeiten. Denn was vor elektromagnetischen Mikrowellen versteckt werden kann, kann auch für Radarwellen unsichtbar gemacht werden.

Ob sich die Technik einst auch bei sichtbarem Licht einsetzen lässt, ist fraglich. Dazu müsste das Material alle sichtbaren Wellenlängen um- und ablenken. Solch komplizierte Materialien sind aber erst für Fantasy-Romane erfunden. (Andreas Feiertag/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22. Oktober 2006)

Share if you care.