"Ein Anreiz der Begegnung"

15. November 2006, 16:47
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Der Weltspartag feiert heuer in Österreich seinen 81. Geburtstag. Erfunden wurde dieser Tag, um in den Zeiten der hohen Inflation den Spargedanken wieder zu beleben

Oktober 1924: Das Sparen hat nach den Erfahrungen der Inflationsjahre einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Seit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 vermehrte sich die umlaufende Geldmenge und führte zu einer kontinuierlichen Geldwertverschlechterung und sinkender Kaufkraft. Um einen Gegentrend zu schaffen, wurde am 27. Oktober 1924 beim 1. Internationalen Sparkassenkongress (Weltvereinigung der Sparkassen) in Mailand der Weltspartag ins Leben gerufen.

Die Vertreter aus 29 Ländern beschlossen diesen Tag, um den Gedanken des Sparens weltweit wieder ins Bewusstsein zu rücken und um auf die Bedeutung für die Volkswirtschaft und den Einzelnen hinzuweisen. Der italienische Professor Ravizza erklärte damals den Schlusstag des Kongresses zum "International Saving Day".

In Österreich wurde der Weltspartag erstmals am 31. Oktober 1925 begangen. 1989 erklärte die UNO offiziell den 31. Oktober zum Weltspartag. Vielfach wurden und werden anlässlich dieses Tages von Banken und Sparkassen Werbegeschenke verteilt, die das Ansparen von Geld versüßen sollen. In den 80er-Jahren gab es in Österreich vereinzelt Bestrebungen, diesen Tag zu einem ganz normalen Banktag zu machen. Die Tradition dieses Spartages wird jedoch bis heute hoch gehalten.

Feiertag für Kinder

"Die Bedeutung dieses Events hat sich mittlerweile auch der Zeit angepasst", erklärt Peter Thier, Pressesprecher der Bank Austria Creditanstalt dem Standard. Die Nation zum Sparen zu bewegen und das Vertrauen in Banken zu stärken, seien nicht mehr die Hauptmotive. Der Spargedanke stehe zwar nach wie vor – jedoch vor allem für Kinder – im Vordergrund. Es gehe mittlerweile aber auch stark darum, den Kundenkontakt zu pflegen, da die Sparquote in Österreich ohnehin bereits sehr hoch sei. Über einhundert Euro legt der Durchschnittsösterreicher derzeit pro Monat auf die hohe Kante – zumeist auf ein Sparbuch. Rund zwölf Prozent des Nettoeinkommens würden somit laut BA-CA veranlagt.

Neben den Kindern, für die dieser Tag ob der traditionellen Spargeschenke ein "Feiertag" sei, stünden auch Großkunden im Mittelpunkt. Thier: "Der Weltspartag bekommt durch verschiedene Veranstaltungen in der Bank einen Eventcharakter und bietet die Möglichkeit zum Networking." Somit schaffe "der Weltspartag einen Anreiz der Begegnung", fasst Thier zusammen. Rund 1,6 Millionen Österreichen wollen am Weltspartag ihre Bankfiliale besuchen. 15 Prozent der heimischen Sparefrohs haben bei einer Umfrage der BA-CA angegeben, "sicher" in ihre Bank gehen zu wollen. Fünf Prozent "haben es sich vorgenommen". Als häufigster Grund des Bankbesuches wird die Begleitung des Kindes oder des Enkelkindes genannt. Aber auch die Spargeschenke haben einen hohen Stellenwert. Für 26 Prozent der Befragten stehen die kleinen Geschenke im Vordergrund für den Weg zum Bankschalter. Der Sparefroh (siehe Bild) feiert heuer seinen 50. Geburtstag und sein Comeback: Die Erste Bank setzt die Spar-Ikone aus den Fünfzigerjahren nun wieder verstärkt für Werbezwecke ein. Die Idee zu der bekannten Sparfigur mit dem knallroten Dreieckshut, der frechen schwarzen Haarlocke und den biegsamen, grünen Armen und Beinen stammt aus dem Jahr 1955. Der Salzburger Werbeleiter und spätere Vorstandsdirektor der Sparkassen, Franz Ruedl, hat sich den Sparefroh in Bayern abgeschaut – bei der Stuttgarter Sparkasse. So gesehen ist der österreichische Sparefroh eigentlich gebürtiger Schwabe.

Der Werbeleiter der Zentralsparkasse, Karl Damisch, nahm sich 1956 dem Sparefroh an und entwickelte eine umfangreiche Werbekampagne mit Plakaten, Schüler- und Elternbriefen, Malkarten, Lesezeichen, Anhängern und Ausschneidebögen. Das führte dazu, dass der Bekanntheitsgrad des Sparefrohs in den 70er-Jahren bei den Österreichern bei nahezu 100 Prozent lag und somit bekannter war als der Name des damals amtierenden Bundespräsidenten. Das kleine Männchen wurde zum Symbol für den Sparwillen der Österreicher. Sogar ein eigenes Lied "Freund der Kinder – Sparefroh" wurde dem Sparbegleiter gewidmet. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.10.2006)

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