Nebulose Shakespeare-Verorgelung

16. Oktober 2006, 22:27
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Eine altbackene "Macbeth"-Inszenierung von Regisseur Frank Hellmund am Landestheater Salzburg

Wenn einem Regisseur so gar nichts einfällt, springen Kulissengeister mit Nebelwerfern ein. Der Dauereinsatz zischender Trockeneismaschinen signalisiert am Salzburger Landestheater einen mittlerweile alarmierenden Mangel an theatralischer Potenz. Einen szenisch derart altbackenen, akustisch an verblichene literarische Hörfunkadaptierungen erinnernden Macbeth hätte man an so einem Theater nicht mehr erwartet. Zu solch retrospektiven Erlebnissen verhilft Regisseur Frank Hellmund.

Trotz Textstauchung auf gute zwei Stunden wirkt Salzburgs Kommentar zum Königsgemetzel geradezu einschläfernd. Würde man nicht hin und wieder von dröhnenden Orgelakkorden aus einer grindigen Bühnenbild-Kathedrale geweckt. Hellmund konnte sich nicht zwischen permanentem Brahms-Mozart-Gesäusel von der Pfeifenempore und einem Theaterabend entscheiden. So badet der stilisierte Mord-und Totschlag in waberndem Klangpathos. (gugg/ DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2006)

Landestheater Salzburg
Schwarzstraße 22
5020 Salzburg
0662/ 87 15 12-0
  • Artikelbild
    foto: christian schneider/landestheater salzburg
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