Immer weniger Firmen verkaufen mehr Strom

28. Februar 2007, 10:39
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Der Berater A. T. Kearney sieht in Zukunft nur mehr eine Hand voll Player, österreichische Versorger seien zur Kooperation verdammt

Wien – Die geplante Übernahme des spanischen Energiekonzerns Endesa durch die deutsche Eon sei nur das spektakulärste Beispiel, was sich derzeit am europäischen Strommarkt abspielt. Weitere Übernahmen und Fusionen seien bereits angemeldet oder befänden sich im Reißbrettstadium, sagte Florian Haslauer vom Beratungsunternehmen A. T. Kearney bei einer Studienpräsentation am Montag. Es sei davon auszugehen, dass es in naher Zukunft nur noch eine Hand voll Konzerne gebe, die das Geschäft mit dem Strom machten.

Heimischen Versorgern rät Haslauer zu einer Vorwärtsstrategie. Diese könnten sich aufgrund der Kleinheit und des anhaltenden Margendrucks nur durch tiefere Kooperationen retten. Mit der geplanten Übernahme von Endesa wird Eon mit einem Umsatz von deutlich mehr als 66 Mrd. Euro zur klaren Nummer eins im europäischen Strom- und Gasgeschäft. Das Zusammengehen des französischen Konzerns Suez mit Gas de France inklusive der belgischen Electrabel wird einen Riesen mit rund 60 Mrd. Euro Umsatz hervorbringen. Die französische EdF, derzeit noch Branchenprimus, würde mit rund 47 Mrd. Euro Umsatz auf Platz drei rutschen vor der deutschen RWE (rund 35 Mrd. Euro Umsatz) und der italienischen Enel (etwa 30 Mrd. Euro Umsatz).

Überhaupt beobachtet Haslauer eine Tendenz in Europa, dass sich Strom und Gasfirmen zusammenschließen. Die OMV, die dasselbe vorhatte, und heuer im Frühjahr den dann politisch verhinderten Zusammenschluss mit dem Verbund probieren wollte, habe das richtige versucht. Beide Unternehmen haben seither des Öfteren betont, das Projekt sei tot, Beobachter rechnen aber damit, dass es im Fall einer großen Koalition wieder auf die Tagesordnung kommt.

Bei den Strom- und Gaspreisen gehen die Experten von A.T. Kearney davon aus, dass diese weiter steigen. Hasler hält einen Preis von 70 Euro je Megawattstunde im Jahr 2010 für wahrscheinlich. Derzeit kostet eine MWh Strom an der Strombörse in Leipzig rund 46 Euro. Weiter zunehmen wird auch der Hunger nach Strom und immer mehr zur Verstromung benutztem Gas. Weltweit dürfte der Stromverbrauch bis 2025 um etwa 70 Prozent auf etwa 23.000 Terawattstunden steigen, der Gasverbrauch im selben Zeitraum um etwa 64 Prozent auf 4340 Mrd. m3 zulegen.

Die höchsten Zuwächse beim Strom- und Gasverbrauch werden in Asien erwartet. Westeuropa zeigt geringere Zuwachsraten. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.10.2006)

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    grafik: standard/ energy information administration 2004
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