"Nicolas Sarkozy, du bist ein Lügner"

23. Oktober 2006, 19:53
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Kundgebungen gegen GdF-Privatisierung im ganzen Land - Innenminister hatte 2004 versprochen, Energiesektor "niemals" zu privatisieren

Paris - Mehrere Tausend Personen haben am Samstag in Paris und in der französischen Provinz gegen die Privatisierung des staatlichen Energiekonzerns Gaz der France (GdF) protestiert. Die Demonstration in Paris, an der sich laut Polizei 1.700 und laut Organisatoren 8.000 Personen beteiligten, wurde von CGT-Generalsekretär Bernard Thibault und FSU-Generalsekretär Gérard Aschieri angeführt. Unter den Teilnehmern befanden sich Kommunistenchefin Marie-George Buffet (PCF) und die Trotzkistin Arlette Laguiller ("Lutte Ouvrière"/LO).

"Lügner"

Die Demonstranten warfen Innenminister und UMP-Chef Nicolas Sarkozy, der nächstes Jahr bei der Präsidentenwahl kandidieren will, vor, ein "Lügner" zu sein, weil er im April 2004 als Wirtschaftsminister versprochen hatte, dass GdF und sein Schwesterbetrieb Electricité de France (EdF) "niemals privatisiert werden". "Nicolas Sarkozy, du bist ein Lügner", riefen die Protestteilnehmer. "Wir werden weiter kämpfen, denn wir vertreten eine Mehrheit der Franzosen gegen die GdF-Privatisierung", betonte Thibault, während Buffet forderte, dass die Debatte zum Privatisierungsgesetz im Senat suspendiert werde.

Landesweite Proteste

Im südfranzösischen Marseille beteiligten sich zwischen 1.500 und 4.000 Personen an einer Kundgebung gegen die GdF-Privatisierung. In Toulouse protestierten mehrere hundert Privatisierungsgegner an der Seite von Airbus-Angestellten, die nach dem Führungswechsel beim Flugzeugbauer um ihre Jobs fürchten. Auch in der nordfranzösischen Metropole Lille gingen mehrere Hundert Bürger auf die Straße.

Privatisierung von EdF

Die Privatisierung von EdF, welche anschließend die Fusion mit dem Stromverteiler Suez erlauben soll, wurde am 3. Oktober von der Pariser Nationalversammlung genehmigt und soll binnen 27. Oktober auch vom Senat verabschiedet werden. Die EU-Kommission prüft gegenwärtig die wettbewerbsrechtlichen Konsequenzen der Fusion. Der Zusammenschluss war im Februar von der Regierung in Paris eingefädelt worden, um Suez vor der Übernahme durch den italienischen Enel-Konzern zu bewahren.(APA)

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    Demonstrationsteilnehmerin in Paris

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