Tabuthema Hämorrhoiden

28. März 2007, 12:12
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70 Prozent der Bevölkerung betroffen - Chirurgen: Richtige Behandlung ist nicht schmerzhaft - Warnung vor Fehldiagnosen

Wien - Die seit Urzeiten bekannte Volkskrankheit Hämorrhoiden ist noch immer ein Tabuthema unserer Gesellschaft. Obwohl 70 Prozent aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens an Hämorrhoiden leiden, werden die krampfaderartigen Knoten am After oft sehr spät oder gar nicht behandelt. Besonders die Angst vor einem schmerzhaften Eingriff ließe viele den Gang zum Arzt meiden, sagte Friedrich Herbst von der Chirurgischen Universitätsklinik Wien.

Neue Methoden

"Ohne Therapie ist in der Regel mit einem Fortschreiten der Erkrankung zu rechnen", warnte Herbst. Horrorvorstellungen von mittelalterlichen Behandlungsmethoden wie "Abquetschen" oder "Wegbrennen mittels Glüheisen" sind unberechtigt: Neue Methoden garantieren laut Mediziner eine schmerzfreie Behandlung.

Angst vor Schmerzen unbegründet

Etwa die "Gummi-Band-Ligatur" eigne sich zur ambulanten Therapie für Beschwerden der ersten drei Stadien von Hämorrhoiden und sei mit keinerlei Schmerzen verbunden, erläuterte Peter Lechner, Vorstand der Chirurgischen Abteilung des Krankenhaus Tulln. Friedrich Weiser vom Herz Jesu Krankenhaus, erwähnte die "Arterien-Ligatur"-Methode nach Dal Monte - auch hier werde ein schmerzlose Unterbindung der Blutversorgung des Knotens und somit eine Abheilung erzielt.

Risiken

Allerdings brächten mache Techniken auch Risiken wie Fistelbildung oder bleibende Inkontinenz mit sich, warnte Herbst. Deshalb sei es besonders wichtig sich nur von routinierten Fachleuten behandeln zu lassen. Vor "Über-Therapierung" riet Heinz Bacher von der Allgemeinchirurgie der Uni-Klinik Graz ab. Welche Methode im Einzelfall gewählt werde, dürfe nicht auf Grund von Begriffen wie rasch oder schmerzlos entschieden werden, sondern bedürfe einer genauen Expertise", so der Arzt.

Problem Fehldiagnose

Die anwesenden Chirurgen wiesen auch auf die Gefahren einer Fehldiagnose hin: "Hämorrhoiden bedürfen immer einer weiterführenden Untersuchung auf andere Krankheiten", betonte Lechner und meinte damit speziell die Spiegelung des gesamten Dickdarms. Vermeintliche Hämorrhoidenblutungen könnten beispielsweise ein Zeichen für Mastdarmkrebs sein.

Krankheitsstadien

Konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten gäbe es viele, diese müsse man allerdings stadiengerecht anwenden, waren sich die Experten einig. Die medizinische Einteilung des Hämorrhoidalleidens erfolge in vier Grade. Der nicht sichtbare Knoten im Anfangsstadium macht sich mit hellrotem Blut auf dem Stuhl bemerkbar. Im zweiten Stadium ist der Knoten schon größer und es entstehen Schmerzen wenn diese beim Stuhlgang gegen die Afteröffnung gepresst werden. Im vorletzten Grad kann zu den Schmerzen zusätzlich Juckreiz und Blutungen hinzukommen. Im schlimmsten Stadium liegen die Knoten sichtbar vor dem After.

Symptome

Verstopfung sowie chronischer Durchfall, Missbrauch von Abführungsmittel, Schwangerschaft, Übergewicht, zu viel Alkohol, Kaffee oder scharfe Gewürze, Ballaststoffarme Kost, aber auch sitzende Berufe und wenig Bewegung gelten als "Wegbereiter" für Hämorrhoiden. Wer unter Symptomen wie anale Blutung, Nässen, Juckreiz, Stuhlschmieren oder Inkontinenz sowie - eher selten vorkommende - Schmerzen leidet, sollte sofort zum Arzt gehen. Jeder Mensch besitzt drei innere Hämorrhoiden, von einem Leiden spricht man erst wenn subjektive Beschwerden Auftreten. (APA)

Link: Hämoband
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