Deutsche Telekom - Verdi ruft zu Warnstreiks auf

20. Oktober 2006, 10:18
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Für mehr Geld und gegen einen weiteren Stellenabbau

Mit Warnstreiks haben Mitarbeiter der Deutschen Telekom am Donnerstag für mehr Geld und gegen einen weiteren Stellenabbau protestiert.

Die Arbeit nieder

Über 200 Mitarbeiter der Geschäftskundensparte T-Systems legten am Morgen an den Standorten Hannover, Krefeld und Trier ihre Arbeit nieder, sagte Michael Jäkel, Bundesfachgruppenleiter für IT bei der Gewerkschaft Verdi. Die Warnstreiks würden am Freitag in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Mannheim, Göppingen, Saarbrücken und Bamberg fortgesetzt. Außer in Bamberg seien ganztägige Arbeitsniederlegungen geplant, zu denen Verdi 1.500 Teilnehmer erwarte, ergänzte Jäkel.

Mit den Warnstreiks wollen die Mitarbeiter unter anderem den Forderungen von Verdi in der laufenden Tarifverhandlung bei T-Systems Nachdruck verleihen. Die Gespräche für die rund 45.000 Beschäftigten beim IT-Dienstleister T-Systems Enterprise Services (ES) und der T-Systems Business Service (BS), die mittelständische und große Kunden betreut, gehen am Freitag beziehungsweise Montag in die fünfte Runde. Verdi fordert unter anderem sechs Prozent mehr Gehalt für die Beschäftigten.

Kein Angebot

Bisher gebe es noch für keine der beiden Geschäftseinheiten ein tragfähiges Angebot seitens der Arbeitgeberseite, sagte Jäkel, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei T-Systems ist. Ein Telekom-Sprecher sagte, es sei noch unklar, ob ein Angebot vorgelegt werde.

Der Protest richte sich auch gegen Ankündigungen von T-Systems-Chef Lothar Pauly, weitere Arbeitsplätze zu streichen. Pauly hatte in einem Gespräch mit der "Computerwoche" gesagt, dass sich das Management die Sparte Business Service nach der rechtlichen Verschmelzung genauer angeschaut habe: "Im Laufe des nächsten Jahres fallen dort 1.600 Stellen weg", sagte er. Mit den Betriebsräten und Gewerkschaften sei aber noch nicht verhandelt. Es bleibe darüber hinaus bei den im November 2005 angekündigten Plänen, sich von 5500 Mitarbeitern bei T-Systems zu trennen, davon von 5.000 bei Enterprise Service.

Pauly sagte auf die Entwicklung in den kommenden Jahren bezogen, dass die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland zurückgehen und im Ausland steigen werde. T-Systems strebe den Ausbau des internationalen Geschäfts an. "Heute erzielen wir 18 Prozent der Einnahmen außerhalb von Deutschland. Im Jahr 2010 sollen es 30 Prozent sein." Der Markt im Inland bewege sich langsamer und schlechter als von Analysten und Anbietern noch vor rund einem Jahr erwartet. "Der Preisverfall im IT und TK ist so groß, dass er jede Mengensteigerung auffrisst."

Der Telekom-Sprecher sagte zu den von Pauly angekündigten Stellenabbauplänen bei T-Systems, auf den Gesamtkonzern gerechnet bleibe es bei der bisherigen Planung. Der Stellenabbau bei T-Systems ist Teil einer Umstrukturierung im Konzern, bei der bis Ende 2008 32.000 Mitarbeiter über freiwillige Maßnahmen das Bonner Unternehmen verlassen sollen.

Dafür will die Telekom auch 7.000 Mitarbeiter aus ihrer Auffanggesellschaft Vivento ausgliedern. Einen ersten Schritt dazu setzt der Konzern nun um: Sie gibt zum Dezember fünf Call-Center-Standorte mit insgesamt 700 Mitarbeitern an die Walter TeleMedien-Gruppe ab. (APA/Reuters)

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