"Mehr Personal könnte auch Einsparungen bringen"

12. November 2006, 16:54
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AMS-Vorstand Johannes Kopf im STANDARD- Gespräch über die willkommene Ruhe nach der Wahl sowie jobpolitische Aufgaben für eine kommende Regierung

STANDARD: Sind Sie froh, dass die Wahlen vorüber sind?

Kopf: Der Arbeitsmarkt ist wieder etwas aus den Medien, das lässt wieder eine objektivere Berichterstattung zu.

STANDARD: Auch seitens der Regierung.

Kopf: Von allen Seiten, ja.

STANDARD: Zufälligerweise wurden ja verfrüht, nämlich noch einen Tag vor der Wahl positive Arbeitsmarktdaten für den September veröffentlicht.

Kopf: Der Stichtag ist der Monatsletzte. In dem Fall ist der 30. September auf einen Samstag gefallen, an dem das AMS geschlossen ist. Also war es möglich, die Arbeitsmarktzahlen am Freitagabend zu haben.

STANDARD: Auf politischen Druck hin?

Kopf: Das Wirtschaftsministerium als unser Aufsichtsministerium hat natürlich Zugriff auf die Zahlen.

STANDARD: Was wünscht man sich als AMS-Vorstand von einer kommenden Regierung?

Kopf: Das AMS kann durch die Besonderheit der Eigentümerstruktur – je ein Drittel Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer – sicher mit allen Regierungskonstellationen gut zusammenarbeiten. Es muss noch über die Frage des AMS-Budgets verhandelt werden. Es wird auch über das Thema Zumutbarkeit diskutiert werden müssen.

STANDARD: Stichwort Budget: Mit 835 Millionen Euro waren Sie im Jahr vor der Wahl sehr gut ausgestattet.

Kopf: Die 285 Millionen an zusätzlichen Mitteln haben sich in 205 Millionen für das Jahr 2006 und 80 Millionen für 2007 geteilt. Das AMS wird also nicht in ein tiefes Loch fallen, wenn man als "Normalbudget" 630 Millionen Euro annimmt. Es gibt einen Ministerratsvortrag, den Blum-Bonus (Förderung für Lehrplätze schaffende Betriebe, Anm.) zu verlängern. Ich habe Signale von den Sozialpartnern, dass 40 Mio. Euro dafür zur Verfügung gestellt werden sollen. Insgesamt hoffe ich mit Zuversicht, dass wir das Mittelniveau halten werden können.

STANDARD: Bräuchte das AMS mehr Personal?

Kopf: Vor zwei Jahren bekamen wir 100 neue Planstellen, durch andere Maßnahmen sind insgesamt etwa 400 Leute für Beratungen frei geworden. Damals vereinbarten wir auch, unsere Personalbedarfsplanung neu zu machen. Die Ergebnisse sollen Mitte 2007 vorliegen. Dann wird weiter diskutiert und verhandelt.

STANDARD: Haben die Berater derzeit nicht eindeutig zu wenig Zeit für Arbeitsuchende?

Kopf: Man muss sich künftig bei den Bedarfsplanungen auch über Input-Output-Relationen Gedanken machen: Wenn ich mehr Zeit für ein Beratungsgespräch habe, um wie viel verkürzt das die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit. Man kann gegenüber der Politik dann auch argumentieren, mehr Personal könnte finanzielle Einsparungen bringen. Es gibt auch Wünsche unseres Betriebsrates. Aber wir sollten die Evaluierung abwarten.

STANDARD: Was sehen Sie am bisher mäßig erfolgreichen Modell Kombilohn (staatliche Subventionierung von Niedrigqualifikationsjobs, Anm.) verbesserungswürdig?

Kopf: Die Idee war, wir haben im AMS Jobs, die nicht besetzt werden können, weil die Leute zu wenig verdienen – im Wesentlichen Teilzeitjobs. Dann hat man eine Reihe von „Safeguards“ eingebaut: nur für ältere, nur für junge Langzeitbeschäftigungslose, maximal 1000 Euro – damit man es ja unter Kontrolle hat. Aus meiner Sicht sind das zu viele Safeguards, die sich teilweise widersprechen, deswegen funktioniert es nicht. Teilzeitjobs sind vor allem für Frauen mit Betreuungspflichten interessant. Wenn man den Kombilohn ändern will, bedingt das aber eine Gesetzesänderung.

STANDARD: Bei AMS-Schulungen gäbe es auch einiges zu verbessern.

Kopf: Artikel oder Leserbriefe darüber, dass jemand einen Kurs schlecht findet, sind für uns auch sehr schlecht. In zwei Bereichen kann man etwas verändern: Erstens, falls die falsche Person in einem guten Kurs ist. Da geht es nur um unsere Arbeit, da können wir besser werden. Wir können aber auch die Qualität der Kursmaßnahmen verbessern. Deswegen steigen wir von Förder- auf Werksverträge um. Dann kann man Qualitätskriterien wie den Vermittlungserfolg hineinschreiben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2006)

  • Zur Person
Der Jurist Johannes Kopf (32) war im Kabinett Bartenstein für den Arbeitsmarkt zuständig. Im Juli folgte er Herbert Böhm als Vorstand des AMS.
Das Gespräch führte Leo Szemeliker.
    foto: standard/andy urban

    Zur Person
    Der Jurist Johannes Kopf (32) war im Kabinett Bartenstein für den Arbeitsmarkt zuständig. Im Juli folgte er Herbert Böhm als Vorstand des AMS.

    Das Gespräch führte Leo Szemeliker.

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