Für ein gutes Zusammenleben

12. Oktober 2006, 17:53
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Sensibilität für Menschen aus fremden Kulturen zu schaffen, die sich in unsere Gesellschaft zu integrieren versuchen, ist das Anliegen einer neuen Ausbildung. Abbau von Vorurteilen, die Beschäftigung mit Religion und internationalem Recht bilden den Schwerpunkt

"Integration ist keine Einbahnstraße", stellt der Präsident der Caritas Österreich, Franz Küberl, fest, sondern "ein zweiseitiger Prozess". In der Praxis bedeute das, dass sowohl Migranten "als auch die Menschen in der aufnehmenden Gesellschaft bereit sein müssen, einander wertschätzend wahrzunehmen und sich miteinander auszutauschen". Der neue Universitätslehrgang "Migrationsmanagement" sei demgemäß ein "wichtiger Schritt auf dem Weg zu echter Gemeinsamkeit".

Im März 2007 soll dieses Angebot starten - eine Kooperation der Salzburger Paris-Lodron-Universität und des Bildungszentrums St. Virgil Salzburg mit dem Österreichischen Integrationsfonds. Ebenso mit an Bord des neuen Masterprojekts sind die Österreichische und die Schweizer Vertretung der International Organization for Migration (IOM) und die deutsche Universität Erlangen-Nürnberg.

Drei Teile

Aufgebaut aus den drei Teilbereichen Sozialmanagement, Migrations- und Integrationsstudien sowie interkulturelle und interreligiöse Kompetenz soll das Bewusstsein für Problembereiche der ethnischen Vielfalt - oft nur mit der Bezeichnung "Multikulti" abgetan - geschärft werden.

Mehr denn je, so die Veranstalter, präsentiere sich unsere Gesellschaft nämlich "in einer Vielfalt, die sich nicht nur in den Meinungen der demokratischen Gesellschaft manifestiert, sondern vielmehr den kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Hintergrund dieser Gesellschaft sowie des Einzelnen selbst durchdringt".

Für den erfolgreichen Abschluss sind unter anderem Lehrveranstaltungen zu nationalem und internationalem Recht zu absolvieren, sowie die Bereiche Visa- und Rückkehrpolitik, Projektmanagement, Arbeits- und Steuerrecht. Daneben finden die "Globalisierung von Kulturen und Religionsgemeinschaften" und "Der Koran und die Islamische Religion" im speziellen Berücksichtigung.

Wichtiger denn je

Es sei wichtiger denn je, "ein differenziertes Fachwissen über Migration in der Theorie und aus der Praxis zu haben", ist Erika Laubacher-Kubat vom IOM überzeugt. Denn "nur informierte Entscheidungsträger" könnten "dem Phänomen Migration in seiner Komplexität Rechnung tragen" und "schaffen einen Mehrwert für die Staaten und die Gesellschaften gleichermaßen". Auch dem angeblich "gesunden Vorurteil" in Bezug auf alles Fremde schaffe der Masterlehrgang Abhilfe.

Dieses Vorurteil sei sicherlich "keine gute Basis für Fragen der Integration", weiß auch Sozialexperte Martin Schenk von der Diakonie. In Hinsicht auf die Zielgruppe der innovativen Ausbildung meint Schenk, dass es in vielen Bereichen "zu wenig rationale Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Modellen von Integration, sozialer Teilhabe oder Diversity-Management" gebe. Es sei deshalb "hoch an der Zeit, die Handlungsspielräume in den Politikfeldern Wohnen, Schule, Arbeitsmarkt, Community-Work und öffentlicher Repräsentation zu entdecken". Der Hochschullehrgang in Migrationsmanagement sei dafür "ein guter Begleiter". (mad, Der Standard, Printausgabe 7./8.10.2006)

Anmeldungen für den Lehrgang werden bis 27. Oktober angenommen.
Info:
Migrationsmanagement
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    "Ein differenziertes Fachwissen über Migration in der Theorie und aus der Praxis zu haben" sieht Erika Laubacher-Kubat von der Österreichischen Vertretung der International Organization for Migration heute als wichtiger denn je. Das Masterstudium "Migrationsmanagement" soll ein großer Schritt in diese Richtung sein.

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