Kleiner Konkurrent steigt überraschend bei Mobilcom ein

11. Oktober 2006, 11:20
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Mobilcom begrüßte den Einstieg

Der deutsche Mobilfunkdienstleister Drillisch ist überraschend bei seinem weitaus größeren Konkurrenten Mobilcom eingestiegen. Drillisch halte 9,39 Prozent der Stimmrechte an Mobilcom, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Aktienerwerb sei zum größten Teil über eine für strategische Akquisitionen gedachte Kreditlinie fremdfinanziert worden. Mobilcom begrüßte den Einstieg. "Wir freuen uns über das Vertrauen", sagte ein Mobilcom-Sprecher.

Drillisch-Vorstandssprecher Paschalis Choulidis schloss eine Aufstockung der Beteiligung nicht aus. "Es ist alles möglich", sagte er dem "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe). Er könne sich vorstellen, dass ihn die Banken bei weiteren Aktienzukäufen unterstützen. Der Zeitung zufolge wies Choulidis zugleich Gerüchte zurück, dass Drillisch bei Mobilcom eingestiegen sei, weil Mobilcom ein Übernahmeangebot durch einen Dritten drohe. "Wir sind keine Spekulanten", sagte er.

Der Mobilcom-Anteil ist an der Börse nach dem Schlusskurs von Freitag 105 Millionen Euro wert. Die Mobilcom-Aktie reagierte auf die Mitteilung mit einem Plus von einem Prozent auf 18,08 Euro. Drillisch legte fast zehn Prozent auf 5,25 Euro zu.

Derzeit sei schwer zu bewerten, was Drillisch mit dem Aktienpaket vorhabe, sagte Analyst Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Der Größenunterschied zu Mobilcom sei enorm. Falls Drillisch den Anteil weiter erhöhen wolle, wäre dies sicher nicht aus eigener Kraft möglich.

Zum Halbjahr hatte das Unternehmen aus Maintal bei Frankfurt liquide Mittel von 25,6 Millionen Euro und zählte 1,65 Millionen Kunden. Der Umsatz belief sich auf 135 Millionen Euro. Mobilcom erlöste im gleichen Zeitraum mit 1,02 Milliarden Euro fast neun Mal so viel und zählte Ende Juni 4,97 Millionen Mobilfunkkunden.

Experten rechnen mit einer Konsolidierung unter den Mobilfunkdienstleistern, die Verträge der Mobilfunknetzbetreiber weiterverkaufen. Mit den Preisrückgängen bei Handy-Telefonaten stehen auch ihre Gewinnspannen unter Druck. Drillisch hatte im ersten Halbjahr selbst den Preisdruck zu spüren bekommen, hielt trotz Umsatz- und Gewinneinbußen aber an seinen Jahreszielen fest.

Drillisch-Chef Choulidis hatte gesagt, Übernahmen seien bis in den mittleren dreistelligen Millionenbereich denkbar, und als mögliche Ziele Phone House und Talkline genannt. Interesse hatte er auch am Marktführer Debitel gezeigt. Dafür wäre jedoch eine Kapitalerhöhung nötig, hatte er gesagt. Debitel erlöste im vergangenen Jahr 2,74 Milliarden Euro und zählt 10,7 Millionen Kunden. (APA/Reuters)

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