OeNB: Leistungsbilanzüberschuss zum Halbjahr verdoppelt

25. Oktober 2006, 18:28
posten

Nach vorläufigem Ergebnis ein Plus von sieben Mrd. Euro erzielt - Positive Entwicklung sei zu zwei Drittel dem internationalen Dienstleistungshandel zu verdanken

Wien - Die österreichische Leistungsbilanz hat im ersten Halbjahr 2006 nach ersten Berechnungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) mit einem Überschuss von rund 7 Mrd. Euro geschlossen - gegenüber der Vorjahresperiode (3,5 Mrd. Euro) hat sich das Plus damit verdoppelt. Die günstige Entwicklung gehe zu einem Drittel auf den internationalen Warenverkehr und zu zwei Drittel auf den internationalen Dienstleistungshandel zurück, teilte die OeNB am Montag in einer Aussendung mit.

Der grenzüberschreitende Güterhandel zeigt demnach weiterhin dynamisches Wachstum und trägt mit mehr als 1 Mrd. Euro zur Verbesserung des Leistungsbilanzsaldos bei. Im Reiseverkehr konnte der Nettoüberschuss gegenüber 2005 noch leicht auf knapp 5 Mrd. Euro gesteigert werden. Der Bereich der übrigen Dienstleistungen unterstützt den positiven Trend der Leistungsbilanz mit einem Beitrag von fast 2 Mrd. Euro. Doch könnten in diesem Teilaggregat - im Zuge der Einführung des neuen Erhebungssystems - größere Revisionen auftreten, die diese grundsätzlich positive Tendenz abschwächen, aber nicht umkehren dürften, schränkt die OeNB ein.

Grenzüberschreitendes Defizit

Das Defizit aus grenzüberschreitenden Einkommen erreichte heuer in den ersten sechs Monaten mit rund 1 Mrd. Euro in etwa den Vergleichswert 2005. Saldenverbesserungen bei Einkommen aus Direktinvestitionen und Wertpapierveranlagungen stand ein höherer Nettoaufwand gegenüber dem Ausland im Segment der Vermögenseinkommen aus Krediten und Einlagen gegenüber.

Im ersten Halbjahr 2006 investierten österreichische Anleger per saldo fast 28 Mrd. Euro in ausländische Wertpapiere. 3 Mrd. Euro wurden in ausländischen Aktien und Investmentzertifikaten angelegt, die verbleibenden 25 Mrd. Euro gingen zu etwas mehr als der Hälfte in langfristige Rentenwerte, der Rest in Geldmarktpapiere. Investitionen des Auslandes in österreichische Wertpapiere verzeichneten bei Geldmarktpapieren einen deutlichen Anstieg von 2 auf 9 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2006, aber auch österreichische Aktien erfreuten sich weiterhin großer Beliebtheit.

Veranlagung österreichischer Wertpapierinvestoren

Die Veranlagung österreichischer Wertpapierinvestoren im Ausland (Portfolioinvestitionen) führte im ersten Halbjahr zu Nettoankäufen in Höhe von 28 Mrd. Euro, etwas weniger als in der Vergleichsperiode 2005 (30,5 Mrd. Euro). Allerdings gibt es im zeitlichen Ablauf Unterschiede: Im 1. Quartal 2006 wurden ausländische Aktien und Investmentzertifikate in Höhe von 3,5 Mrd. Euro erworben, während im zweiten Quartal - als Reaktion auf die Entwicklung der Aktienkurse - Aktien und Aktienfonds im Ausmaß von 500 Mio. Euro abgestoßen wurden. Die Nachfrage nach langfristigen Rentenwerten und Kurzläufern verringerte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal leicht, blieb aber nach wie vor auf hohem Niveau. In diese Segmente investierten die Österreicher im Berichtszeitraum in Summe 25 Mrd. Euro.

Nettoverkäufe österreichischer Wertpapiere an das Ausland bewirkten im ersten Halbjahr 2006 Kapitalzuflüsse im Ausmaß von 30 Mrd. Euro (nach 25,5 Mrd. Euro). Davon entfielen die Hälfte auf Investitionen in langfristige Rentenwerte, rund 30 Prozent auf Geldmarktpapiere und knapp 20 Prozent auf Aktien und Investmentzertifikate. Hinsichtlich des Absatzes inländischer Aktien ist kein gravierender Unterschied im Zeitverlauf zu beobachten. Im Gegenteil, trotz eines schwierigen Börsenumfelds konnten Kapitalerhöhungen bzw. Börsengänge erfolgreich durchgeführt werden, verweist die OeNB auf die Immoeast AG und Post AG.

Kapitaltransaktionen

Die Kapitaltransaktionen im Zusammenhang mit Direktinvestitionen führten in der Berichtsperiode wie schon im entsprechenden Zeitraum 2005 zu einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis. Dieser Wert resultiert aus Veranlagungen Österreichs in ausländische Unternehmen sowie jenen von ausländischen Investoren in österreichische Unternehmen im Ausmaß von jeweils etwas mehr als 1 Mrd. Euro netto. In beiden Fällen liegen die Ergebnisse unter den Vergleichswerten des Vorjahres. Dies lässt sich aus Konzernumstrukturierungen, Verringerungen des Eigenkapitals auf Grund von Gewinnausschüttungen sowie Börsengängen erklären. Im letztgenannten Fall geht ein Beteiligungsverhältnis in Streubesitz über, was einer Verringerung von Direktinvestitionen und einer Erhöhung von Wertpapierveranlagungen entspricht.

Aus Sonstigen Investitionen, die insbesondere das grenzüberschreitende Kredit- und Einlagengeschäft beinhalten, sind im ersten Halbjahr 2006 netto rund 6 Mrd. Euro abgeflossen.

Die offiziellen Währungsreserven nahmen transaktionsbedingt um fast 1 Mrd. Euro zu. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.