Last Exit Bruhaha: Das Wiener Volkstheater lässt lachen

8. Oktober 2006, 18:41
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Die Michael-Frayn-Farce "Der nackte Wahnsinn" unter der Regie des Direktors Michael Schottenbergs

Wien - "Draußen sitzen lauter Rentner." Das Ensemble von Der nackte Wahnsinn, diese abgehalfterte Tourneetruppe, beobachtet im Stück-im-Stück sein Publikum. In der Realität verhält es sich an diesem Abend nicht ganz so. Es haben sich auch einige jüngere Semester eingefunden zur Premiere von Michael Schottenbergs angesagtem Publikumserfolg (Regie: der Direktor).

Allerdings ergibt sich anlässlich der bei einer Farce zentralen Frage "Lachen oder nicht Lachen" diesfalls ein kleines Generationenproblem. Wer auch nur mit Farbfernsehen groß geworden ist, der musste mit dem angestaubten Humor von Michael Frayns Klamaukstück über die Theaterwelt seine Probleme haben.

Frayns Dreiakter spielt mit dem alten Wunsch der Theaterbesucher, einmal hinter die Kulissen blicken zu dürfen. Und er bedient das Klischee, dass sich dort - dank Liebe, Intrigen, Schnaps - das wahre Schauspiel ereignet. Dreimal wird der erste Akt des Stücks Nackte Tatsachen gezeigt. In einem Landhaus angesiedelt, erfordert es von den Schauspielern vor allem, im richtigen Moment Türen auf und zu zu machen und Teller mit Sardinen rein- und rauszutragen.

Das Publikum sieht die Generalprobe, erlebt eine Aufführung im Verlauf der Tournee im Bühnenrückraum und schließlich den allerletzten Abend. Im Backstage-Teil, der den Höhepunkt darstellen sollte, sorgt der grelle Jux aber bereits für Ermüdungserscheinungen - und für Orientierungsprobleme: Sind wir hier noch im Volkstheater oder schon in den Kammerspielen?

Der auf Schenkelklopfinstinkte abzielende Humor findet zwar auf einer Metaebene statt, wird dadurch aber nicht besser. Abgesehen von ein paar besonders absurden Stellen ist das Gezeigte einfach nicht lustig. Ein Jammer, bei einer Farce, den das engagierte Ensemble (u. a. Maria Bill, Thomas Kamper, Katharina Straßer, Andy Hallwaxx, Susa Meyer, Karl Ferdinand Kratzl, Marcello de Nardo) nur zeitweise überdecken kann.

Dennoch: viel Applaus. Das war wohl Schottenbergs Kalkulation: Bei denen, die sich fürs Theater interessieren, spricht sich schnell herum, dass das hier nichts für sie ist; wen es nach Unterhaltung gelüstet, bei der die Gefahr der Überforderung durch die Pointen gegen null tendiert, der sollte auf seine Kosten kommen dürfen. (Sebastian Fasthuber/ DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2006)

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    Karl Ferdinand Kratzl in der Rolle des Seldon Mowbray, Susa Meyer als Belinda Blair, Andy Hallwaxx als Scheich, Thomas Kamper als Garry Lejeune, Maria Bill als Dotty Otley, stehend von links, und Katharina Strasser als Brooke Asthon, sitzend.

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