Finnland will Lösung im Zypern-Streit

23. Oktober 2006, 18:02
42 Postings

Kompromissvorschlag sieht Abzug türkischer Truppen aus Famagusta und direkten Handel der türkischen Zyprioten vor

Ankara – Bei ihrem Besuch in der Türkei verwandte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel viel Zeit darauf, mit dem türkischen Premier Recep Tayip Erdogan Chancen für eine Überwindung der aktuellen Krise um die von der EU verlangte Anerkennung der Republik Zypern auszuloten. Auch die finnische EU- Ratspräsidentschaft bemüht sich in geheimen Verhandlungen in Nikosia und Ankara, ein mögliches zypriotisches Veto gegen die Fortsetzung der EU- Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzuwenden.

Die Regierung in Nikosia droht die Fortsetzung der Aufnahmeverhandlungen mit einem Einspruch zu stoppen, sollte die Türkei seine Häfen und Flughäfen für zypriotische Schiffe und Flugzeuge bis Ende 2006 nicht öffnen. Ankara lehnt dies ab, solange das Handelsembargo gegen die abtrünnige und nur von der Türkei anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“ aufrechterhalten wird.

Laut den Berichten sieht der Kompromissvorschlag vor, dass die türkischen Truppen aus der ostzypriotischen Geisterstadt Varosha abziehen und sie den Vereinten Nationen übergeben. Im Gegenzug solle die griechisch-zypriotische Regierung zustimmen, dass der direkte Handel der türkischen Zyprioten über den Hafen von Famagusta abgewickelt wird. In diesem Fall wäre das Handelsembargo gegen den türkisch besetzten Teil Zyperns aufgehoben und Ankara könnte einige seiner Häfen und Flughäfen für zypriotische Schiffe und Flugzeuge öffnen. In einer zweiten Phase sollten die Vorbereitungen für die Rückkehr tausender griechischer Zyprioten in diese Stadt beginnen.

EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hatte am Mittwoch davor gewarnt, der Türkei nur eine „privilegierte Partnerschaft“ statt eines vollwertigen EU-Beitritts in Aussicht zu stellen. (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.10.2006)

Share if you care.