Gedächtnis nur zum Teil vom Alter abhängig

29. Juni 2000, 11:32

Zur Merkfähigkeit wurde am Wiener AKH untersucht

Wien - Die alte Weisheit, dass im Alter die Merkfähigkeit nachlässt, stimmt nur zum Teil. PsychologInnen wissen, dass das Gedächtnis zumindest aus zwei Komponenten besteht, wobei ein Teil vom Alter unabhängig ist. Am Wiener AKH fanden WissenschafterInnen nun heraus, dass auch das Geruchs-Gedächtnis zweigeteilt ist und nur ein Part davon in seinen Leistungen mit dem Alter korreliert.

Die akademische Einteilung des Gedächtnisses in einen expliziten und einen impliziten Teil ist auch im Alltag leicht nachzuvollziehen. Das implizite Gedächtnis springt dann an wenn einem etwa eine Person bekannt vorkommt, man weiß aber nicht "wo man sie hintun soll". Schaltet sich auch der explizite Part ein, so fällt einem schlagartig ein, wie die Person heißt oder woher man sie kennt. Wenn nicht, bleibt es beim "irgendwie kenne ich den Menschen".

Bereits in früheren Studien konnten PsychologInnen nachweisen, dass das explizite Gedächtnis im Kindesalter noch nicht so gut funktioniert, im Alter von jungen Erwachsenen erreicht es dann einen Höhepunkt um anschließend wieder nachzulassen. Das implizite Gedächtnis funktioniert dagegen über alle Altersgruppen hinweg annähernd gleich.

Keine Ausnahme für Gerüche

Wie die WissenschafterInnen der Neurologischen Universitätsklinik am AKH nun herausfanden, macht dabei das Gedächtnis für Gerüche keine Ausnahme. Sie testeten die Merkfähigkeit von Menschen verschiedenen Alters für alltägliche Düfte, etwa von Kaffee, Zimt, Kaugummi oder Benzin. "Auch für Gerüche funktioniert das implizite Gedächtnis bei Menschen verschiedenen Alters gleich, während das explizite eindeutig im Alter junger Erwachsener einen Höhepunkt hat", sagte Studienleiter Johann Lehrner.

Dabei nehmen Gerüche bei der Gedächtnisleistung des Menschen eine Sonderstellung ein. So erinnern sich Menschen oft noch im hohen Alter an bestimmte Düfte der Kindheit und Jugend, ein paar Moleküle eines Aromas reichen aus um lebhafte Bilder aus einer längst vergangenen Zeit wachzurufen. Das liegt laut Lehrner daran, dass neue Gerüche sofort emotional - als Duft oder Gestank - bewertet und dementsprechend "stark" im Gehirn abgespeichert werden. Dadurch bleiben sie auch lange im Gedächtnis haften, beim Erinnern taucht auch der emotionale Kontext wieder auf. (APA)

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    grafik: leon
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